Melting Pot à la KOCHGARAGE

Melting Pot à la KOCHGARAGE

Graciela Cucchiara, Kopf und Herz hinter der Münchner Kochgarage:

Als kleines Kind war ich immer neugierig. Da passte es nur zu gut, dass unsere Familie ethnische Einflüsse aus vier völlig verschiedenen Ecken unserer Welt mitbrachte. Man musste nur die Großeltern bitten, alte Familiengeschichten zu erzählen und schon wurde es spannend und in meinem Kopf begann eine Weltreise.

Martin, mein Opa mütterlicherseits, war ein „Rankulche“ – ein Indigener aus der Gegend des heutigen Buenos Aires und seine Gene sind auch für die etwas dunklere Haut unserer Familie verantwortlich. Rankulche ist das ursprüngliche Wort der Indigenen für Zuckerrohr und ich freue mich, dass bereits das mit dem Kochen zu tun hat. Seine Ehe zu Cuca, meiner Oma mütterlicherseits, war so turbulent, wie es heute manchmal auch bei uns in der Kochgarage zugeht. Cuca stammte aus Galicien und war ein waschechter spanischer Sturkopf. Doch rauften sich die beiden starken Charaktere immer wieder zusammen und verbrachten eine lange Ehe miteinander. Die Seite meines Vaters dagegen stammte aus Italien und war geprägt von Limonen aus Capri und der Poesie von Giacomo Leopardi.

IMMER UNTERWEGS

Mit solch einer großartigen Züchtung im Hintergrund, ist es kein Wunder, dass ich noch immer temperamentvoll bin und auch heute noch voller Neugier – von meiner Kindheit in Argentinien geprägt. Heute bin ich besessen davon, die Küchen und die Kulturen rund um den Globus kennenzulernen. Denn nur wenn man die Menschen in der Küche kennenlernt, begreift man, wie sie wirklich ticken.

Unter dem Motto „Kulturen verschmelzen im Kochtopf“ sind wir nun bereits acht Jahre lang mit der Kochgarage irgendwohin und zu irgendwem unterwegs. Tolle Erfahrungen haben wir gemacht und wichtige Begegnungen gehabt, die die unsere Events geprägt haben. Unsere Liebe zu „Multikulti“ treibt uns immer weiter und so packe ich noch immer meine Koffer, um neue Länder und neue Küchen kennenzulernen. Immer im Gepäck auf der Rückreise: Traditionen, Tricks und tolle Rezepte von den Mamas dieser Welt.

Es begeistert uns, mit welcher Leidenschaft viele Ladys rund um den Planeten noch am Herd sind und ihre Familie füttern. Die eine mehr, die andere weniger – aber sie alle haben die Kultur des Kochens maßgeblich beeinflusst. Sie sind gewissermaßen die Göttinnen des Hauses, kochen göttlich und so ist es auch kein Wunder, dass es nicht nur männliche Götter in der Menschheitsgeschichte gab. Deshalb möchte ich zunächst mit einer ganz besonderen Mama anfangen, der Pachamama, was „Mutter Erde“ auf Quechua bedeutet.

KÜCHEN-GÖTTINNEN AM HERD

Die Göttin vieler indigener Völker Südamerikas gilt als personifizierte und allmächtige Erdmutter die Leben schenkt, es nährt und schützt. Genauso wichtig in einem anderen Kulturkreis ist Hestia, die in der griechischen Mythologie die Göttin des Familien- und des Staatsherdes sowie des Herd- und des Opferfeuers ist. Übertrieben gesagt müssten wir ohne sie heute auf das Kochen mit der Induktionsplatte verzichten. Wenn es um Göttinnen geht, müssen wir natürlich auch über Aphrodite sprechen. Ihrer Kraft der Liebe verdanken wir das Wort für Lebensmittel mit besonders nachhaltiger Wirkung…

Doch nicht alle Frauen meiner Geschichte stammen aus der Mythologie und es stehen auch nicht nur Frauen auf meiner Liste. So wurde das peruanische Ceviche von armen Fischern erfunden, die ihren großen Hunger auf dem Pazifik möglichst einfach und ohne Herd bekämpfen wollten. In seiner ursprünglichen Form besteht es aus kleingeschnittenem, rohem Fisch verschiedener Arten der für etwa 15 Minuten in Limettensaft mariniert wird. Dazu kommen ein paar in Ringe geschnittene rote Zwiebeln und in manchen Rezepten auch Rocoto, ein sehr scharfes, paprikaähnliches Gemüse aus Peru. Chemisch gesehen gart der Fisch durch den Limettensaft, da die Zitronensäure das Eiweiß im Fisch denaturiert – ganz ähnlich wie beim Kochen also.

Je nach Land haben sich verschiedene Variationen des Rezepts entwickelt. So besteht Ceviche Mixto aus einer Platte mit verschiedenen Meeresfrüchten. In der bekanntesten Form werden dabei vorgekochte Schrimps, gekochter Fisch oder, alternativ, auch Palmherzen verwendet. Weitere Zutaten sind vor allem Gemüsezwiebeln, Staudensellerie, Korianderblätter und pürierte Aji-Chilischoten. In Peru wird Ceviche mit Süßkartoffeln, geröstetem Mais oder Yuca serviert, in Ecuador dagegen eher mit Kochbananen-Chips und in Chile kommen häufig noch gehackte Tomaten hinzu.

Mit dem Blick auf Perus Fischer schließt sich auch hier der göttliche Kreis, schließlich danken die Fischer der Quchamama für ihr Ceviche – dem Pendent zur Pachamama nur in flüssig: Sie ist die Göttin des Meeres und der Fische, Beschützerin der Seefahrer und Fischer. Aber auch in anderen Teilen der Welt gibt es coole Götter wie Govinda, dessen Name sich zusammensetzt aus den Sanskritwörtern für Kuh/Rind und Beschützer/Hirte. Dewri Sri ist die balinesische Göttin des Mondes und der Unterwelt, gleichzeitig als „Seele des Reis“ aber auch für das uralte Grundnahrungsmittel vieler Zivilisationen zuständig.

WURZELN FÜR DIE WÜRZE

Ein Heimspiel für mich und eine aromenreiche Entdeckungsreise für euch ist das kulinarische Italien. Nicht nur die Italiener geben an, die Erfinder der Nudel zu sein, auch die Chinesen beanspruchen diese Erfindung für sich, schließlich soll Marco Polo die Pasta im 13. Jahrhundert dort entdeckt haben. Eine italienische Pizza war dagegen zunächst eine griechische Pita, dann ein türkisches Pide und ein iranisches Nān-e Barbarī – aber immer ein weiches Fladenbrot aus Hefeteig. Die Wurzeln unseres Essens sind also oft die gleichen.

Die Spanier wiederum glaubten, Gold wäre das wertvollste, was sie aus Lateinamerika mitgebracht hätten. Irrtum, sagen wir. Mais, Kartoffeln, Tomaten, Avocados, Chili und auch das Wunderkorn Quinoa wird in den Anden schon seit 5000 Jahren gekocht und erfreut uns Europäer erst seit kurzem. Dass all das nicht nur goldwert und gesund ist, sondern auch phantastisch schmeckt, erlebt ihr bei uns in der Kochgarage in unseren Opens oder Kochevents. Zusammen mit euch kochen wir die zauberhafte Küche der Völker und beschwören die Göttinnen und Götter der Küche aus aller Welt.

Das beweist, dass viele Menschen da draußen treu an ihrer Kultur festhalten, ihre Familientraditionen am Leben halten und andere damit beeinflussen. Auch – ja vor allen Dingen – beim Kochen. Und das beeinflusst uns und unser Leben. Deren Wurzeln sind unsere Wurzeln! Das würzt unseren Melting Pot alla Kochgarage und macht uns wieder so unendlich glücklich!

Mehr zu den tollen Koch-Events und allem anderen rund um die Kochgarage, gibt es hier.