Ist das Kunst…

Ist das Kunst…

oder kann das weg? Dieser lustig gemeinte Spruch fällt mir ein, wenn es um Nippes in meiner Wohnung geht. Um gesammelte Flohmarktware oder fragwürdige Erbstücke in Form von Bildern, Vasen und Statuen.

Genau das habe ich mich ehrlicherweise aber auch gefragt, als ich vom Film “Son of Saul” hörte, den ich kürzlich in einem Preview von SONY PICTURES CLASSICS angesehen habe.

Es geht (mal wieder) um das 3. Reich und die Konzentrationslager. Ein unsägliches Thema, ein schwarzer Fleck in unserer deutschen Historie – zweifellos. Aber wir, die wir heute in unseren 30ern, 40ern oder 50ern sind, haben halt mal so gar nichts mehr damit zu tun. Und ich sträube mich gegen ewig währendes Buße tun einer Generation, die zu der Zeit noch gar nicht am Leben war. Wie gesagt, es ist absolut schlimm und unrühmlich, was damals passiert ist. Aber möchte ich auf ewig Verfilmungen über diese schlimme Zeit sehen?

Voreingenommen habe ich mir also den ungarischen Film “Son of Saul” angesehen. Darin geht es um den Gefangenen Saul, der mit anderen Juden im KZ bei der Massenvernichtung der Gefangenen mithelfen und die Leichenberge in den Krematorien verbrennen muss. Nie sieht man wirklich Details der Toten, alles im Film ist irgendwie fern und verschwommen. Bis auf Saul. Den man immer ganz klar sieht. Die Szenerie macht das Thema dadurch noch beklemmender. Wie Saul in stoischer Ruhe Berge von vergasten Männern und Frauen entsorgt, hektisch nach erfolgter Prozedur den Boden reinigt, die Leichen Richtung Öfen befördert.

All das ist unfassbar schlimm, umso mehr, weil es leider keine Fiktion ist. Der Film berührt. Ich kann sagen, mehr als viele andere, die sich bereits dem Thema gewidmet haben. Künstlerisch ist er besonders. Als Zuschauer kommt man dennoch an seine Grenzen. Während der knapp 2h, die ich im Kino bin, kann man die Abscheu und die Beklemmung im Saal spüren. Danach ist sicher kein Kinobesucher beschwingt in die nächste Bar gegangen.

Lázló Nemes, von dem “Son of Saul” ist, hat sich fünf Jahre auf dieses preisgekrönte, herausfordernde Filmprojekt vorbereitet. Anlass dazu war das Buch “Die Schriftrollen von Auschwitz” von Leib Langfus, der im sogenannten Sonderkommando Erlebnisse niederschrieb, wie sie Saul im Film erleben musste. Nemes hat einen engen Bezug zu Auschwitz, da dort auch Familienmitglieder von ihm umgekommen sind.

Der Film startet am 10.3. in den deutschen Kinos. Hier geht es zum Trailer: http://www.kino-zeit.de/filme/trailer/son-of-saul

Mit dem Wissen, was einen erwartet, kann ich den Film insoweit empfehlen, dass er es tatsächlich schafft, das Leid und die Katastrophe aus einem ganz anderen Blickwinkel zu zeigen! Das ist sehr besonders aber auch zutiefst berührend.