Goldener Herbst

Goldener Herbst

Gerne entfliehe ich tristem, deutschem Wetter. Zu jeder Jahreszeit. Fürs Verreisen brauche ich aber ehrlich gesagt, gar keinen Grund. Alle 2-3 Monate packt mich das Reisefieber. So gerne ich auch in meiner Geburtsstadt München lebe.

Gerade sitze ich am Flughafen Ibizas und warte auf meinen verspäteten Heimflug. 9 Tage war ich dieses Mal auf dieser von mir sehr geschätzten Insel. Bereits zum 2. Mal in diesem Jahr.

Geplant war mit einer sehr guten Freundin aus NRW in einem stylischen Hotel in der Hafengegend von Ibizastadt eine tolle Zeit zu haben und die Energy Week zu besuchen, die ich persönlich mir wie ein großes Yogafestival vorgestellt habe. Seit Ende Mai habe ich mich auf diesen Trip gefreut.

Es kam allerdings etwas anders. Steffi konnte nur zwei Tage hier sein. Ein Job war ihr dazwischen gekommen. Ich sollte also eine Woche alleine hier sein. Darum buchte ich um. Aus Kostengründen. Aus dem mondänen Designhotel wurde ein belangloses Apartment in Santa Eularia. Etwa 30min Fahrt von Ibiza-Stadt.

Ich reiste einen Tag vor Steffi an. Spät am Abend. Ein Shuttle auf dem Flughafenparkplatz fuhr mich zur Mietwagenstation. Dort wartete ein weißer 1.0l KIA auf mich. Gefühlt hatte der höchstens 50 PS. Die Strassen waren nass, als ich mich damit auf den Weg nach Eula (Spitzname für Santa Eularia) machte. Ich hatte eine dürftige Beschreibung, wo ich hin musste und wo vor allem an meinem Ziel der einzige, kostenlose Parkplatz sich befand.

Etwas mulmig war mir schon, auch wenn Ibiza echt nicht groß ist.

Glücklicherweise fand ich den Parkplatz, weil ich mich verfahren hatte. Von dort lief ich zur Unterkunft. Ständig stinkenden Tretmienen ausweichend. Hunde sind hier zahlreich, ebenso wie deren Haufen, die leider kein Halter entfernt.

In der Bar neben dem Apartmenthaus war mein Schlüssel deponiert. Das Haus war an einer befahrenen Kreuzung im Zentrum. Schlafen war nur mit Ohrenstöpseln möglich.

Das Apartment dafür war völlig okay und am nächsten Morgen sah ich auch das Meer vom Wohnzimmer aus.

Das Wetter blieb die ersten Tage sehr durchwachsen. Genau so lange, bis Steffi, die ich am Nachmittag meines 1. Tages vom Flughafen abholte. Wir nutzen unsere knappe Zeit für ausgiebiges Ratschen, leckere Tapas und Cava sowie Bummeln über den Hippiemarkt von Las Dalias. Und, ach ja, da war ja auch noch die Eröffnung der Energy Week. Für die hatte ich vorab bereits ein Wochenticket reserviert.

Mittelpunkt der Veranstaltung war das Agroturismo Sa Talaia. Eine in weiss gehaltene, chice Finca, mit großzügigem Grundstück. Ein paar Markstände und Aufsteller liessen vermuten, dass wir richtig zur Auftaktveranstaltung der Energy Week waren. Es war kühl und stark bewölkt. Und leider waren kaum Menschen vor Ort. Wir waren enttäuscht. Blieb uns gemeinsam doch eh nur noch ein ganzer Tag, den wir vor unserem geistigen Auge mit tollen Yogastunden, Meditation und spiritueller Musik verbringen wollten.

Wir verschwanden schnell wieder von diesem Ort, fuhren über die halbe Insel zurück und gingen lieber in Eule am Hafen Tapas essen.

Am nächsten Morgen rafften wir uns aber auf und fuhren zur 2. Yogastunde, die jeden Morgen in der Bucht von Cala Bassa abgehalten werden sollte. Das war schön, denn auch das Wetter war okay. Ab und zu kam sogar die Sonne heraus. Der Ausflug zum Sonnenuntergang, dem Closing des Beach Clubs Elements und den Trommeln von Benirras war unsere letzte, gemeinsame Unternehmung. Die Überfahrt war rau und kalt. Dabei dauerte sie leider auch noch gut 1,5h. Der Sonnenuntergang fiel durch Abwesenheit des sehnsüchtig herbei gewünschten Feuerballs flach. Der Strandclub war voller zugedröhnten Partybiestern. Es war kühl und wir harrten aus, bis es nach mehr als 3h endlich mit dem Boot zurückging.

Ich musste einmal mehr feststellen, dass ich weder Drogen noch Menschenmassen zugewandt bin.

Am nächsten Morgen brachte ich Steffi frühmorgens wieder an den Flughafen. Das hatte den Vorteil, dass ich beide Yogastunden am Strand machen konnte. Und siehe da, es riss auf. Die Sonne kam und blieb. So wie ich bis zum frühen Nachmittag. Mehr als etwas Bewegung und schönes Wetter am Meer, braucht es nicht für mein Glück.

Die folgenden Tage verliefen ähnlich. Ab und zu fuhr ich dazwischen noch zum Lunch oder eine Meditation zum Sa Talaia. Schweren Herzen musste ich dafür jedes Mal den Strand verlassen. Aber ich hatte doch einen nicht unerheblichen Betrag für den Wochenpass der Energy Week bezahlt.

Im nach hinein hätte ich besser nur die Yogastunden und die 3 Workshops gemacht und dafür einzeln bezahlt. Das wäre viel günstiger gewesen. Aber was hilft es!

Denn trotz aller kleinen Widrigkeiten war es wieder sehr schön auf “meiner” Insel. Auch alleine oder vielleicht gerade darum. Denn ich habe mich treiben lassen. Furchtbar laut Musik im Auto gehört. In der Sonne gefaulenzt. Ganz nach Gusto, spontan Pläne wieder umgeschmissen. Insgesamt 10 Stunden Yoga absolviert. Drei ganz verschiedene, geführte Meditationen erlebt und viele, liebevolle, schöne Menschen umarmt und deren Energie gespürt (macht man hier so, wenn es auch nicht jedermanns Sache ist).

Ich habe wieder etwas Farbe bekommen. Viel Sonne getankt. Viel geschlafen. Viel gelesen. Und mit dieser Reise dazu gelernt, sich selbst zu geniessen. Zu tun, was man genau im Augenblick möchte und auf seine Wünsche und Bedürfnisse zu hören. Was nicht heisst, dass ich mich nicht auf den nächsten Mädelsurlaub freue. Es ist eben nur anders. Intensiver irgendwie. Und auch stiller.

Ibiza – in 6 Monaten bin ich zurück. Dann habe ich meine beste Freundin dabei, um ihr zu zeigen, wie magisch und entspannt du bist.