Auf ein Neues – Teil 2

Auf ein Neues – Teil 2

Die erste Nacht in dem teuren Hotel ist nur mit Ohrenstöpseln zu ertragen. Allzu laut ist der Verkehr der nahe gelegenen Straße. Nach einem Frühstück, das wiederum aus Reis & Curry besteht, geht es weiter an den Ort, an dem wir letztes Jahr zusammen mit Eilidh, der Schottin, schon an verschiedenen Stellen mit Sachspenden geholfen haben. Dort in Kalutara möchte Cihan sich um ein neues TukTuk bemühen. Das Bisherige, mit dem er in den letzten vier Wochen bereits ca. 3.000 Kilometer gefahren ist, stirbt ständig ab und macht einen sehr betagten Eindruck. Auch ist es furchtbar laut, was insbesondere auf der Rücksitzbank und auf langen Strecken sehr anstrengend ist.

Ganze zwei Tage dauert es, bis wir ein akzeptables, neueres Dreirad auftreiben. Dazu bedarf es diverser Gespräche, Telefonate, Testfahrten und harter Verhandlungen. Die beiden Nächte bleiben wir bei Charly, einem Einheimischen, den wir vor einem Jahr hier auf der Insel kennen gelernt haben. Er vermietet ein kleines Häuschen im eigenen Garten, wo alles Mögliche an leckeren Früchten und Gemüsesorten wächst. Ein Gärtner lebt darin und passt auf alles auf. Es gibt nur eine Birne, die aus der Decke ragt. Keinen Spiegel im Bad, kein Toilettenpapier, Bettwäsche, in der schon wer weiß wer geschlafen hat – also Luxus pur. Man braucht ein dickes Fell, sich hier trotzdem wohl zu fühlen. Immerhin hört man nur mannigfaltiges Vogelgezwitscher und den ein oder anderen Hund. Der Hund, der hier im Garten lebt, zerfleddert über Nacht zwei meiner Unterhosen, die ich zum Trocknen draußen auf einen Stuhl gelegt habe. Damit verbleiben noch 3 Slips, und das für knapp 4 Wochen.

Um von hier zum Waisenhaus zu kommen, weswegen ich ja hauptsächlich nach Sri Lanka gekommen bin, müssen wir eine Fahrt von 6-7 Stunden einplanen.  In einem Rutsch wäre das für Bandscheiben und Anderes kaum zu ertragen. Also machen wir Rast und übernachten nach etwa der Hälfte der Strecke. Heritage Resort heißt das Hotel und liegt am Fuße des Udawalawa Nationalpark. Leute, die hierher kommen, machen Safari und sind nicht wie wir bepackt mit Hunderten von Zahncremes, Zahnbürsten, gebrauchter Kleidung und zwei Dutzend Inkontinenzbezügen, die als Matratzenschoner fürs Waisenhaus vorgesehen sind.

Hier gibt es im Hotelrestaurant Abendessen. Was steht auf der Karte? Reis & Curry. Ein weiteres Mal. Und wieder sehr lecker. Die Dusche liefert warmes Wasser, was toll ist, da wir das in der letzten Unterkunft im Gartenhaus nicht hatten. Wieder ist nachts die Straße zu hören und zum Morgengrauen eine Big Band aus verschiedenen Vogelarten. Wir frühstücken – dieses Mal kein Reis & Curry, sondern Omelette, Früchte und Marmeladentoast. Für eine Unsumme, verglichen zum Frühstück der Einheimischen. Das wissen wir aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Wir checken aus und zahlen. Wir ärgern uns kurz über den Preis von etwa 30,- Euro. Fairer Weise muss man allerdings ergänzen, dass darin auch das Abendessen vom Vortag dabei ist. Wir müssen aufpassen, dass wir es mit der Budgetminimierung nicht übertreiben.

Die nächsten Tage werden in jedem Fall sehr viel billiger. Denn bereits nach 2 Stunden, kommen wir in Handapanagala an, wo Cihan ein Zimmer für uns in einem Minihäuschen am Rand des Handapanagala Sees gemietet hat. Einfach ist hier wörtlich zu nehmen. Das Zimmer ist winzig, die Klospülung kaputt. Wieder gibt es nur eine nackte Glühbirne, die von der Decke strahlt. Ein verwitterter Ventilator schiebt die warme Luft durch den kargen Raum. Immerhin gibt es ein Moskitonetz, was auch absolut notwendig ist. Wache schiebt Manu, ein junger, schlaksiger Einheimischer, der Cihan bereits die letzten Wochen überall hin begleitet hat, wenn es um Preisverhandlungen und Übersetzungen ging. Er ist eine großartige, unbezahlbare Hilfe, das merke ich sofort. Es gilt heraus zu finden, was man ihm als Dank wirklich nachhaltig Gutes tun kann. Schnell finden wir heraus, dass er dringend einen Führerschein benötigt, um einen Job zu finden. Dieser dauert hier drei Monate und kostet ca. 100,- Euro. Immens viel Geld für hiesige Verhältnisse. Wir entscheiden uns, Manu diesen zu bezahlen und fahren zusammen zur Fahrschule, um ihn gleich anzumelden. Freude darüber zeigt er kaum. Das ist hier aber normal, wie ich bereits die anderen Male auf Sri Lanka erlebt habe. Gefühle werden eben nicht gezeigt. Trotzdem fühle ich mich sehr gut bei der Vorstellung, dass Manu bald Motorräder, TukTuks und niedrig motorisierte Autos lenken darf.

Nachdem wir zu dritt Reis & Curry zu uns genommen haben, fahren Cihan und ich endlich nach Meth Sewa. Es sind nun 4 Tage vergangen, seit ich auf der Insel gelandet bin, und für mich wird es Zeit, dort alles kennen zu lernen. Niroshan und Mrs. Joshua empfangen uns mit einem herzlichen Lächeln. Im Schatten, in den meterlangen überdachten Korridoren (mit das Teuerste in der Konstruktion hier) sind aufgereiht alle Bewohner des Waisenhauses. Teilweise sitzen sie auf Stühlen, einige in Rollstühlen, die Kleinen in Laufställen. Ein paar spielen Ball davor. Manche nehmen uns wahr und lachen, sie kommen auf uns zu und begrüßen uns. Oder wir gehen zu ihnen hin, um ihnen die Hand zu geben oder sie kurz liebevoll zu berühren. In der Kiste, die ich aus Deutschland mitgebracht habe, sind 3 Kuscheltiere. Sie finden sofort begeisterte neue Besitzer. Gerne hätten wir mehr dabei gehabt, denn sicher warten noch 30-40 davon daheim auf glückliche Kinder. Wir müssen sie beim nächsten Mal irgendwie mitbringen.