Auf ein Neues – Teil 1

Auf ein Neues – Teil 1

Bereits zum 5. Mal reise ich nun auf die Insel Sri Lanka. Neben Ibiza, hat sie das Zeug dazu, meine Lieblingsinsel zu werden. Hier mag ich das Essen, das Klima, das bunte Treiben, die Freundlichkeit der Menschen, die Vegetation und den wilden Indischen Ozean.

Und hier engagiere ich mich seit knapp einem Jahr dafür, die Zustände in den Waisenhäusern dort etwas zu verbessern. Letztes Jahr im März, als ich mit Cihan und Eilidh dort viele Sachspenden und Spielsachen verteilt habe, wurde der Grundstein für unseren Verein Stop Staring – Start Caring e.V. gelegt. Cihan war nach meinem Aufenthalt noch dort geblieben, um mit einem Mönch, den wir während einer buddhistischen Zeremonie kennen gelernt hatten, zu einem weitab gelegenen Waisenhaus zu begleiten. Meth Sewa, wo ca. 50 Menschen (Kinder, Waisen und ausgesetzte behinderte Erwachsene) in für uns unvorstellbar einfachen Verhältnissen leben. Niroshan Wasante und seine Frau kümmern sich um diese Menschen liebevoll und aufopfernd. Tag für Tag.

Jetzt fliege ich dorthin, lerne alle kennen und helfe dabei, unsere Spenden für den Neubau eines Schlafhauses für 30 Kinder, sinnvoll und effektiv einzusetzen. Ich bin stolz, dass unser Verein in wenigen Monaten schon einen Betrag zusammen hat, der es uns ermöglicht, ein solches Haus zu errichten und mit etwas Glück (und verlässlichen Kostenvoranschlägen), können wir das Gebäude dann auch noch einrichten. 2-3 Monate soll das Ganze dauern. Das Wetter muss hier auch mitspielen, denn leider hat die Regenzeit heuer schon sehr früh begonnen, was das Arbeiten auf der Baustelle an manchen Tagen völlig unmöglich macht.

Hoffen wir das Beste. Jetzt sind wir schon so weit gekommen. Meine Bedenken, ob ich dem Vereinsvorstandsposten gewachsen bin, ob wir genügend Spenden erhalten, um spürbar zu helfen und das sich immer wieder überfordert fühlen, das gehört alles der Vergangenheit an. In ein paar Stunden bin ich nämlich bereits auf der Insel, und in 1-2 Tagen sehe ich Meth Sewa, die Baustelle und all ihre Bewohner live und täglich… für ca. drei Wochen. Den Rest meines Aufenthalts möchte ich je 3 Tage in Arungam Bay und in Hikkaduwa (zum buddhistischen Neujahrsfest) verbringen. Dann geht es zurück in die Heimat, mit unbezahlbaren Eindrücken, einem sicherlich ab und zu wehen Herzen und einem hoffentlich sehr guten Gefühl.

Noch nie war ich so lange unterwegs. Noch nie mit der Absicht und dem erklärten Willen, 8000 Kilometer weg von daheim, die Lebenssituation von ein paar Dutzend Waisen zu verbessern.

Und nein, das, was ich hier mit anderen gütigen Menschen tue, ist nicht lukrativ. Wenn man es betriebswirtschaftlich betrachten möchte, ist es sogar ein Draufzahlgeschäft, das mich Zeit und Geld kostet. Ich sage das, weil ich in letzter Zeit mehr als einmal gefragt wurde, ob sich solch ein Engagement “lohnen” würde. Ja, es lohnt sich, wenn man nicht ans eigene Einkommen denkt. Es lohnt sich, weil es erhebend ist, Gutes zu tun. Es lohnt sich, dankbar zu sein, dass man privilegiert ist und ehrlicherweise kaum nennenswerte Probleme hat. Es lohnt sich, vom eigenen schönen, bequemen Leben etwas an minderbemittelte, nicht privilegierte Menschen abzugeben. Es lohnt sich, weil es sich verdammt gut anfühlt, so etwas zu tun!

Angekommen auf der Insel, kann ich mich gleich einmal mit der Entdeckung der Langsamkeit anfreunden. Angefangen damit, dass mich Cihan mit dem TukTuk vom Flughafen Colombo abholt. Bequemes Reisen fühlt sich anders an. Es wackelt, es zieht, es stinkt. Wir bekommen all meine Sachen unter. Mit 41 Kilogramm (Omanair hat mir netterweise das Übergepäck von 11 Kilogramm kostenlos zugestanden. Nachdem ich allerdings zwei Wochen nach “Buchbinder Wanninger-Manier” diverse Telefonnummern und Emails der Airline abgeklopft habe und immer und immer wieder meine Geschichte vom Waisenhaus auf Sri Lanka zum Besten gegeben habe) tuckern wir also vollbeladen mit dem Dreirad durch den Großstadtverkehr von Colombo. Zu allererst machen wir Halt an einem Straßenrestaurant und essen etwas. Das Flugzeugfrühstück auf dem Weg von Muskat nach Colombo habe ich verschlafen. So startet mein 1. Sri Lanka-Tag mit Reis & scharfem Curry, und das auf nüchternen Magen. Es brennt ziemlich. Mein Gaumen und meine Speiseröhre müssen sich erst einmal daran gewöhnen.

Auf der Straße sind wir die Attraktion: Weiße Frau wird von weißem Mann im TukTuk chauffiert. Das hat man hier noch nie gesehen. Wir werden angestarrt, angelacht und von Dutzenden einheimischen Dreiradfahrern deswegen angesprochen. Unser Weg führt uns als nächstes aufs Amt, um Cihans Touristenvisum zu verlängern, dessen 30 Tage Dauer heute ablaufen.

Man stelle sich ein enges, schmales, zerfallenes Gebäude mit 4 Stockwerken vor. Darin emsiges Treiben wie in einem Ameisenbau. 99% Einheimische,  1% Touristen. Wie in unserem Kreisverwaltungsreferat zieht man eine Nummer, begibt sich in den Warteraum und bringt viel Geduld mit. Nebenbei läuft die Übertragung der Cricket Meisterschaften im TV. Unerträglich laut ertönt es vom Spielfeld, das Bild ist kaum zu erkennen, so schlecht ist die Qualität. Nach ca. 1,5 Stunden sind wir dort fertig. Das allerdings nur, weil Cihan bereits gestern hier schon 4 Stunden verbracht hat, und kurz bevor er seine Verlängerung bekommen sollte, war der Strom ausgefallen. So genießt er heute quasi den Expressway.

Schnell verlassen wir danach Colombo und machen uns auf Richtung Mount Lavinia, wo wir übernachten wollen. Ich habe bereits im Voraus dort eine Bleibe reserviert, die ganz vernünftig aussah und gar nicht so billig war. Dort angekommen ist unsere Enttäuschung groß, denn es handelt sich um eine richtige Absteige, für die die verlangten 40,- Euro fürs Zimmer mit Frühstück viel zu hoch sind. Aber egal. Was hilft es! Schnell die Sachen abgeladen und etwas zu Essen gesucht. Es ist mittlerweile früher Abend. Zum 2. Mal heute gibt es Reis & Curry, was mich noch die nächsten Wochen begleiten wird. Zu Bergen von Reis bekommt man 3-4 verschiedene, unterschiedlich scharf zubereitete Gemüse, in kleinen Schälchen serviert. Dazu Sambol, das aus Chilli und geraspelten Kokosnüssen hergestellt wird. Am liebsten mag ich das scharfe Weißkraut und die angebratenen Auberginen. Wenn man möchte kann man dazu noch Hühnchen oder Fisch bestellen. Kosten hierfür variieren von ca. 1,- bis 5,- pro Person, je nachdem wo man isst. Nach meinen Erfahrungen vom letzten Jahr gilt: Je einfacher und günstiger das Essen, desto köstlicher speist man.