Auf ein Neues – Teil 7

Auf ein Neues – Teil 7

Weil wir vor Ort in Meth Sewa nicht so viel ausrichten können, fahren wir nochmals Richtung Ozean. Dieses Mal über Hambantota (wo Cihan und ich uns im Januar 2014 im Oasis Resort kennen gelernt haben) nach Tangalle. Kurz vor diesem Ort finden wir ein Minihotel mit einer Cabana direkt am Strand. Der Preis ist sehr akzeptabel. Darum bleiben wir. Gleich zur Begrüßung stoße ich im Bad auf eine beängstigend große Spinne. Sie kommt aus der Toilette gekrabbelt und ich erschrecke mich sehr. Da ich nichts anderes griffbereit habe, besprühe ich sie mit Antibrumm. Das scheint sie nicht zu überleben. Ich bin froh darüber, wenn ich auch ungern Lebewesen töte. Bei Moskitos und Spinnen hört meine Nächstenliebe auf.

Nach diesem kurzen Abstecher ans Meer mit drei Tagen Hängematte, viel frischem Fruchtsaft, einer tollen Aussicht auf hohe Wellen und größtenteils Sonnenschein, geht es zurück zum Waisenhaus. Vor unserer Abreise nach Tangalle haben wir unser Zimmer in Handapanagala aufgegeben. Der Besitzer lag uns überhaupt nicht, und es war auf Dauer viel zu heiß und zu klein geworden. Und ohne Klospülung und Putzfrau nach all den Wochen auch wirklich unerträglich.

So tingeln wir also die nächsten Tage zwischen Waisenhaus und Ella, einem Ort in den Bergen, etwa eine Stunde Fahrt hin und her. Ella liegt etwa 1050 Meter über dem Meer und hat deswegen ein angenehmes Klima und begeistert durch sattes Grün und schöne Landschaften. Wir nehmen da gerne täglich 2-mal die kurvige Strecke mit unserem TukTuk in Kauf. Auf das Guesthouse, in dem wir bleiben, werden wir von einem freundlichen Mann abends bei Ankunft auf der Straße aufmerksam gemacht. Er hat wohl gesehen, dass wir ein Zimmer suchen und führt uns zu seiner Bleibe. Das Zimmer ist groß, mit sehr hohen Decken und einem neuen Bad. Alles funktioniert. Ich fühle mich, wie im Adlon. Und das Frühstück, das wir dort die nächsten drei Tage genießen, ist großartig. Sri Lanka-Frühstück par excellence. Es besteht aus frischen Papaya und Ananas, kräftigem Kaffee, Egghopper (eine Art Fladen aus Reismehl mit Spiegelei) sowie Rotti (ähnlich dem indischen Nan) mit Kokoschilli und Linsendhal. Wirklich das beste nationale Frühstück überhaupt.

In diesen Tagen gehen wir wieder täglich zum Geldautomat und besuchen die Baustelle. Die Arbeiter schaffen Tag und Nacht in Schichten. Nur so ist gewährleistet, dass bis zu unserer Abreise nahezu alles fertig wird. Wir zahlen täglich was anfällt und stottern auch das Geld fürs Möbelhaus ab. Alles läuft nach Plan.

Nach und nach merke ich für mich, dass ich nun auch nach gut drei Wochen endlich wieder heim mag. Was ich zuhause an Komfort habe, fehlt mir. Ebenso wie Vollkornbrot, Käse und weniger hohe Temperaturen. Auch wünsche ich mir frische Klamotten aus meinem Schrank und möchte unbedingt wieder ins Yoga gehen.

Den Abschluss unseres Sri Lanka-Aufenthalts machen 4 Tage Hikkaduwa. Hier war ich bereits letztes Jahr, von Kalutara aus, zweimal gewesen. Ein langgezogener schöner Strand, ein Surf-Eldorado. Etwas touristischer als Arugambay und Tangalle, aber schön. Wir haben kein Hotel reserviert, was sich als Fehler erweist. Denn zum Neujahrsfest am 13.04. sind viele Einheimische in den Hotels und Gasthäusern bzw. die Preise zu diesem Event sind teilweise unrealistisch hoch. Nach einigen Fehlschlägen und Totalausfällen von Hotels hinsichtlich Preis, Zustand oder Lage, finden wir eines in unserem Budget. Es liegt direkt am Strand und macht einen guten Eindruck.

Dort bleiben wir vier Nächte, die wir allesamt mal wieder nur mit Ohrenstöpseln überstehen. Denn die einheimischen Gäste rund herum trinken fast rund um die Uhr. Sie sitzen dabei vor ihren Zimmer, also einen Steinwurf von unserem Fenster, und betrinken sich dort und ratschen lauthals. Von Rücksicht keine Spur. Beschwerden kommen auch keine, und so ertragen wir es stillschweigend.

Alles in allem merke ich eh, dass meine Meinung zur Bevölkerung nach mittlerweile insgesamt drei Monaten Aufenthalt, sich verschlechtert. Das Volk ist größtenteils primitiv und rücksichtslos. All die Vergewaltigungsgeschichten aus den letzten Wochen tun da ihr übriges. Ich möchte hier jedenfalls nicht leben. Trotzdem kommen wir wieder und werden als Verein noch weitere Projekte für Meth Sewa realisieren. Denn die Bewohner dort sind so arm dran und unterprivilegiert, dass es schwer zu ertragen ist. Und wenn schon die eigene Regierung nichts unternimmt, muss es eben von Ausländern wie uns getan werden.

So blicke ich nun zurück auf die letzten vier Wochen: Auf mein erstes Sozialprojekt, auf meine ersten Elefanten in freier Wildbahn, auf ein halbes Dutzend Krokodile am Straßenrand, unzähliges lauwarmes Reis & Curry, Warane, Büffel und Kühe im täglichen Straßenverkehr, etwa  2.000 Kilometer (Tor)Tour mit dem TukTuk, Verzicht auf jeglichen Komfort, wunderschöne Sonnenuntergänge, morgendlichen Vogelgesang und katzenartiges Pfauengejammer. Das war Sri Lanka.

Jetzt habe ich lediglich den Flug von Muskat nach München noch vor mir, dann bin ich zurück in der Heimat. Im Herbst ist eine erneute Reise nach Sri Lanka geplant, mit hoffentlich viel frischen Spendengeldern für das nächste große Projekt vor Ort.

Never stop caring!