Auf ein Neues – Teil 6

Auf ein Neues – Teil 6

Nach 4 Tagen, die wir nicht hier waren, sehen wir große Fortschritte. Die Mauern sind komplett hochgezogen. Als nächstes kommt die Dachkonstruktion. Aufgeteilt auf drei Tage, bringen wir das dafür veranschlagte Geld mit. Das müssen wir so machen, da wir an einem Tag über unsere Vereins-Visakarte nur ca. 450,- Euro täglich abheben können.

Wir haken auch nochmals nach wegen der besprochenen Möbel, die wir ja vollständig für das neue Haus finanzieren möchten. Niroshan lässt ganz nebenbei fallen, dass er bei einem hiesigen Schreiner schon einmal ein paar Betten aus Teakholz hat anfertigen lassen, die extrem robust und beständig sind. Allerdings kosten sie mehr als die aus dem Möbelhaus, die wir vorgesehen hatten. Wir rechnen das nach und stellen fest, dass das gerade einmal 10 Euro pro Bett mehr ist. Dafür unterstützen wir einen hiesigen Handwerker und bekommen dafür viel bessere Qualität. Klar, dass wir das machen. Von alleine hätte Niroshan das nie vorgeschlagen, da er das wahrscheinlich irgendwie für undankbar gehalten hätte. Gut, dass wir gefragt haben. Im Möbelhaus von Wellawaya werden wir aber die Matratzen und den Kunststoffboden kaufen. Ebenso wie die 30 Kommoden für die Mädels. Unser Manu, der uns hier mit Rat und Tat zur Seite steht (und übrigens während unserer Abwesenheit in Arugambay unsere bescheidene Bleibe blitzeblank geputzt hat) wird für die Bestellung dort auch noch eine kleine Tippprovision erhalten. Das freut uns sehr, denn er verfügt ja über kein Einkommen, als Sohn einer verwitweten Bäuerin.

Ich habe das Gefühl, dass er froh ist, nicht mehr länger alleine zu sein. Nur das Haus zu hüten ist ja auch langweilig. Seine Familie in der Lehmhütte ist auch zu weit weg, und wir haben ihn gebeten, auf unsere Sachen hier aufzupassen. Wir bringen gleich einmal Reis & Curry, Milchpulver, Obst und Büffeljoghurt (Curd ist der hiesige Name davon) mit, denn Manu hat in den vergangenen Tagen die wenigen Vorräte gegessen. Den Reis hat er sogar noch mit den beiden Nachbarshunden geteilt. Denen hatten wir extra für umgerechnet horrende 4,-  Euro Pedigree Hundefutter gekauft, das sie aber verschmähen. Sie bevorzugen Reis (& Curry). Sind halt keine typtischen Haushunde, sondern halbwilde Straßenhunde. Einer von beiden isst ein paar von den Trockenpellets. Eher aus Höflichkeit oder in der Hoffnung, dass danach etwas Besseres zur Belohnung serviert wird.

Heute ist Karfreitag und gleichzeitig Vollmond, also Poya Day, höchster buddhistischer Feiertag. Es ist der 03.04.2015. Ein ganz besonderer Tag. Wir beschließen einen schönen Tempel zu besuchen. Alle kleiden sich dafür weiß. Bis auf ein dezentes Blumenmuster auf meiner weißen Hose, kann ich diese Tradition befolgen. Zuletzt war ich im Januar 2014 an Vollmond in einem Tempel auf Sri Lanka. Damals in Kataragama, der großen berühmten Tempelanlage, die aber zu weit weg von hier ist. Doch leider finden wir keinen schönen Tempel, nicht einmal überhaupt einen, in dem Einheimische ihren Poya Tag feiern.

Uns fällt nach zwei weiteren Tagen hier die Decke auf den Kopf. Unser Zimmerchen ist klein, furchtbar heiß. Die einzige Sitzgelegenheit ist das Bett. Mich nervt das Minibad, die mangelnde Klospülung und die Tatsache, dass alles unter Wasser steht, wenn man dort duscht. Auch sehne ich mich nach frisch gebrühtem Kaffee und anständigem Frühstück. Wir hier allerdings essen täglich warmen Büffeljoghurt (in Ermangelung eines Kühlschranks) und schneiden etwas Obst auf, dass wir auf dem Markt kaufen. Kein Brot, keine Eier, kein Kaffee, kein Müsli oder Gebäck.

Täglich fahren wir morgens und nachmittags nach Meth Sewa. Bringen Geld, besprechen alles Notwendige und arbeiten einige Zeit an unseren Laptops. Mittlerweile sieht das Haus schon nach Haus aus. Ab Übermorgen wird mit den Dacharbeiten begonnen. Auch die komplette Einrichtung haben wir schon bestellt. Die Betten fertigt ein Schreiner aus robustem Teakholz. Sie kosten dadurch ca. 20 Prozent mehr, werden dafür aber wesentlich länger halten, als die aus dem Kaufhaus in Wellawaya.

Langsam müssen wir auch mit sehr spitzer Feder kalkulieren. Unser Spendengeld fürs 1. Projekt neigt sich dem Ende. Die gefüllten Taschen sind fast leer. Noch ein Vordach für die Kids vor dem Haus, teurere Betten, einen abschließbaren Wäscheschrank… wir möchten alle Wünsche unbedingt erfüllen. Darum schreibe ich täglich alle Ausgaben akribisch in eine Exceltabelle. Damit behalten wir den Überblick.