Auf ein Neues – Teil 5

Auf ein Neues – Teil 5

Und weil wir derzeit wenig tun können, entscheiden wir uns dafür, ein paar Tage an die Küste zu fahren. Hier ist es so unerträglich heiß, dass wir kaum mehr Antrieb haben. Mit dem TukTuk geht es darum ca. 120 Kilometer an die Küste nach Arugam Bay. Einem momentan in der Vorsaison noch verschlafenen Surfernest mit schönem Strand und hohen Wellen. Hier leben, im Gegensatz zu Wellawaya und der Küste um Bentota, vornehmlich Moslems bzw. Tamilen. Die Tamilen sind sehr viel dunkelhäutiger und die Frauen tragen Kopftuch oder sind verschleiert. Dementsprechend sollte man, außer direkt im Strandhotel, nicht zu viel Haut zeigen.

Die Fahrt dorthin ist zügig und elendes Geschaukel. Aber das kenne ich ja bereits. Nach so einer Fahrt sehe ich jedes Mal aus wie ein explodierter Handbesen. Kein halbes Dutzend Haarspangen kann das ändern. Der Weg nach Arugam Bay führt uns durch einen Nationalpark. Große Büffelherden und zahllose Pfauen säumen unseren Weg. Die Straße, die wir nutzen, ist wenig frequentiert. Die Vegetation satt, exotisch und wunderschön.

Auch der Surferspot gefällt mir, wenn mich auch die hohen Wellen abschrecken, ins Wasser zu gehen. Das ganze Küstenstreifchen ist außerdem voller Fischerboote. Dieser schmalen bunten Plastikschalen mit den Holzauslegern auf einer Seite. Einmal bin ich hier schon für 1,5 Stunden darin gesessen, als uns unser Nachbar mit so einem Ding über den See gepaddelt hat, den wir am Fuße unserer Unterkunft haben. Eine größere Konfektionsgröße als 36/38 disqualifiziert Jede, mitzufahren. Bei Jungs sollte es nicht mehr als 46/48 sein. Diese Nussschalen sind ausgesprochen schmal.

Hier am Meer tun wir einfach mal nichts. Das ist toll. In Hängematten schaukeln, aufs Meer schauen, viele frische Säfte trinken und gut essen. Ich spüre für mich hier einen ganz besonderen Genuss, nach der ausgeprägten Hitze, Einfachheit und Armut in Handapanagala.  Wir genießen vier Tage Sonne, Strand und Meer. Gehen täglich mindestens einmal zu Raheem ins Surf Resort zum Essen und hängen dort die meiste Zeit des Tages ab. Wir spielen Carom mit den Angestellten dort. Das ist ein Brettspiel, bei dem man mit einem Puk ähnlichen Gummiding dicke, kleine Holzscheiben in eines der vier Löcher in den Ecken befördern muss. Nichts für Mädels mit Fingernägeln. Dementsprechend erfolglos bleibe ich dabei. Aber lustig ist es dennoch. Weil wir in dem Laden ein und ausgehen, zeigt Cihan auch immer wieder ein paar Zaubertricks bzw. verbiegt Löffel und Gabeln des kleinen Hotels.

Am letzten Nachmittag entschließen wir uns spontan, statt irgendwo unter Palmen in einer Hängematte zu schaukeln, lieber noch ein bisschen die Gegend erkunden. Viel Zeit bleibt ja nicht mehr. So machen wir uns auf den Weg nach Panama, der nächsten größeren Stadt hier. Wir treffen ein Pärchen aus Israel, das uns am Straßenrand auf einem Motorrad nach dem Weg zum “Elephant Rock” fragt. Haben wir nie gehört, darum können wir leider nicht helfen. Elefanten würden wir allerdings auch sehr, sehr gerne sehen. Also fahren wir am Ortseingang gleich rechts Richtung Nationalpark, denn im Ort werden sie sich kaum aufhalten.

Rechts und links der sandigen, holperigen Straße sind nur Reisfelder. Plötzlich werden wir von einem Polizisten an den Rand gewunken. Nicht aber, weil wir verkehrswidrig gehandelt hätten, sondern weil am Rand eines bewässerten Reisfelds zwei riesige Krokodile sitzen. Beide mit aufgerissenem Maul, als würden sie auf Fressen warten oder wie Hunde, durch ihr Maul schwitzen. Sie sind zu weit weg, um sie mit dem Handy zu fotografieren. Und die Kamera haben wir natürlich nicht dabei. Die Krokodile machen keinerlei Bewegungen, darum fahren wir weiter. Und wir haben tatsächlich großes Glück. Auf einer Strecke von ca. 2 Kilometern sehen wir drei große Elefanten. Zwei davon stehen jeweils repräsentativ in einer Lichtung. Da reicht die Kamera im Handy aus, um ein schönes Erinnerungsfoto zu machen. Beziehungsweise drei, von jedem Tier eines. Bei einem sind wir uns allerdings nicht sicher, ob er nicht in der halben Stunde, die wir brauchen, um ihn auf dem Rückweg zu bewundern, die Straße gewechselt hat. Dann wären es eben nur zwei Elefanten gewesen. Aber egal. Das ist wirklich toll. Denn es ist kein Zoo, kein eingezäuntes Gelände, noch nicht der 10 Kilometer entfernte Nationalpark, sondern eine ganz normale, wenig befahrene Dorfstraße inmitten von Natur, auf der wir sie erleben dürfen.

Am nächsten Morgen geht es dann zurück. Länger hier zu bleiben würde mir ein schlechtes Gewissen verschaffen. Wo ich doch weiß, dass der Bau in Meth Sewa nur wegen unseres Timings so dringlich vorangetrieben wird.