Brasilien 7.500km Küste und ich sehe keinen Meter davon! – TEIL 1

Brasilien 7.500km Küste und ich sehe keinen Meter davon! – TEIL 1

Jetzt ist es also soweit und ich reise nach Abadiania, 100km weg von Brasilia, irgendwo im nirgendwo. Von den 7500km Küste Brasiliens, werde ich keinen einzigen zu sehen bekommen. Denn ich begebe mich in ein Dorf, das nur durch Joao de Deus, dem berühmten und seit 2011 international bekanntesten Heiler, zu Weltruhm erlangt ist. Er selbst bezeichnet sich übrigens “nur” als Medium. Bereits als junger Erwachsener wird er mit seiner außerordentlichen Fähigkeit konfrontiert. Gott weiß, wie viele Menschen er (mittlerweile stattliche 73) seitdem heilen konnte, Etliche Filmteams haben ihn insbesondere in den letzten Jahren besucht, unzählige Mediziner reisen voller Erstaunen wieder ab und selbst Oprah Winfrey’s Interesse galt ihm bereits.

Wo soviel Bekanntheitsgrad und heilerische Fähigkeiten sind, sind auch Unkenrufe nicht weit. Auch ich habe viel Skepsis erfahren, seit ich im Bekanntenkreis von meiner Reise erzählt habe. Von großen Sorgen, über Unverständnis über Aggression hinsichtlich dieses weltweit umstrittenen Mannes, allem bin ich ausgesetzt gewesen. Keiner muß dorthin. Ich möchte mir aber selber ein Bild machen. Ich glaube daran, dass es Etliches in unser aller Leben gibt, dass der Verstand und das bloße Auge nicht erklären können.

Mich fasziniert und reizt die Vorstellung, dass ich einem Menschen mit besonderer Energie und seltenen Fähigkeiten begegnen werde. Anders als wahrscheinlich viele Besucher dort, geht es mir gesundheitlich sehr gut. Meine Reise nach Abadiania ist also alles andere als die letzte Hoffnung eines langen Leidensweges. Doch bin ich mir sicher, dass mit jedem Menschen dort ungeahnte Dinge passieren. Sei es Selbstfindung, kritisches Hinterfragen unserer Gesellschaft, den Abarten von Massenkonsum oder dem Verarbeiten vergangener, verdrängter Gefühle und Erlebnisse.

Ich werde mich darauf einlassen und in den intensiven Dialog mit mir selbst gehen. Ohne Sundownerbar, Baden im Meer, Cocktails und Strand. Bleibt mir ja nichts anderes übrig!

Während ich dies schreibe, sitze ich im Flieger von München nach Paris, um dort dann umzusteigen nach Brasilia. In Paris treffe ich dann auf Cihan, den ich im Januar 2014 bei einer Ayurvedakur auf Sri Lanka kennengelernt habe. Seither haben wir schon viel gemeinsam erlebt. Ihn verbindet eine Menge mit Joao de Deus. War er doch in den letzten 10 Jahren bereits zweimal dort. Acht Monate insgesamt.

Anders als ich, mit einem konkreten Anlass, einem Krankheitsbild. Bis zur Jahrtausendwende musste er sich insgesamt 23 Operationen unterziehen, bei denen abgesplitterte Knochenteile an seinen Gelenken entfernt wurden. Das Laufen war ihm damals nur mit Krücken möglich. Schmerzmittel jeder Art waren über Jahre seine täglichen Begleiter. Bis er eben vor 10 Jahren zu Joao ging. Seither hat er nie mehr Krücken oder starke Schmerzmittel benötigt. Er lebt ohne nennenswerte körperliche Einschränkungen. Wenn man diese Geschichte ausführlich und aus vertrauenswürdiger, direkter Quelle hört, kann man nicht umhin, an Wunder zu glauben. Umso spannender und unvergesslich dürfte die Zeit im brasilianischen Urwald werden.

Wie immer muss ich mich erst an die neue Umgebung gewöhnen. Es ist heiß, unbeständig und wir alle sind müde von der langen Reise.

Nun bin ich bereits den 2. Tag hier in Abadiania und muss sagen, alles ist so ganz anders als daheim. Wie zu erwarten war. Untergebracht in einem achteckigen Pfahlbau im Garten einer einfachen Pousada. Dusche und Toilette unterhalb, durch eine steile Treppe mit dem Schlafbereich verbunden. Kein Frühstück ist inkludiert, kein Zimmerservice, 1x wöchentlich Handtuchwechsel und Reinigung, kein ausreichendes Toilettenpapier und schon gar kein Duschgel, Shampoo oder andere geschätzte Hotelannehmlichkeiten. Von weitem hört man Tag und Nacht die Autobahn. Und viel Vogelgezwitscher, was im Gegensatz zum Verkehr sehr schön ist.

Das Dorf selbst besteht aus ein paar Strassen, in denen sich alle Geschäfte ganz dem Medium “John of God” verschrieben haben. Niemand, wirklich niemand, wird jemals hier her kommen, wenn er nicht den Heiler sehen wollte. Überall sieht man viel Krankheit, Rollstuhlfahrer, Menschen mit diversen körperlichen Einschränkungen. Sie kommen aus aller Welt hierher und haben dafür sicherlich teilweise sehr große Mühen auf sich genommen.

Morgen gibt es den zweiten Teil, es bleibt spannend….