Nicht mehr, was es einmal war

Nicht mehr, was es einmal war

Hat jemand in den vergangenen Jahren Urlaub in einem Club Med gemacht? Bei mir ist es 6 oder 7 Jahre her und ich freue mich darauf, den diesjährigen Vater-Tochter-Urlaub Anfang Oktober im Club Med Kamarina, auf Sizilien zu verbringen. Wir entscheiden das gemeinsam einige Monate vorher, freuen uns über einen erträglichen „all inclusive Preis“ in der Nachsaison und gönnen uns darum gleich 10 Tage Aufenthalt.

Die Bilder auf der Webseite zeigen wenig. Keine Rundumansicht des Clubgeländes wie bei Robinson. Keine ewig langen Listen angebotener Aktivitäten. Aber für Golf wird geworben. Das kommt uns gelegen, spielt mein Vater doch bereits etliche Jahre und sollte ich endlich einmal mehr Spielpraxis bekommen, nachdem mein Platzreifekurs fast ein Jahr zurück liegt.

Der Papa bucht für uns. Die Abreise rückt näher. Wir beginnen zu planen was Gepäck und Bekleidung angeht. Also recherchieren wir den angepriesenen Golfclub Donnafugata. Denn auf der Club Med Seite findet man hierzu keinerlei Details. Leider ergibt unsere Recherche eine Greenfee von 150,- pro Person und Runde. Wir sind entsetzt. Eine freundliche Email meinerseits, in der ich nach Sonderkonditionen als Cluburlauber frage, wird mit einem “Sonderpreis” von 400,- für drei Runden beantwortet. Das allerdings auch nur, wenn wir uns jetzt bereits festlegen.

Wir entschließen uns, die Golfbags daheim zu lassen. Wissen wir doch aus etlichen anderen Cluburlauben, dass das Sportprogramm sehr reichhaltig und professionell ist. So fliegen wir also gemeinsam von Frankfurt über Rom nach Catania. Wir haben gepackt für diverse sportliche Aktivitäten, wie Tennis, Pilates, Yoga und Wassersport (ich) sowie für Bogenschießen, Wassersport und Tennis (mein Vater). Das ganze planen wir mit 1-2 spannenden Tagesausflügen zu garnieren oder den südlichen Teil der Insel auf eigene Faust zu erkunden.

Wir kommen abends im Club an und freuen uns, dass wir auf Englisch begrüßt werden. Das ist ja in einem Club Med so gar nicht selbstverständlich. Der italienische Club Med-Mitarbeiter erzählt uns stolz, dass dieser Club der Welt größte wäre, fasse er doch 1800 Gäste, auf einem Gelände von 98 Hektar. Oh je! Dass das so ein Riesenschuppen ist, haben wir wohl übersehen!

Das Zimmer, ein Apartment mit zwei Räumen und einem Bad ist die erste Enttäuschung dieses Urlaubes. Die Unterkunft ist im sogenannten Villaggio (es gibt noch ein Haupthaus), ebenerdig, ohne Terrasse oder Ausblick, völlig karg und lieblos eingerichtet. Die sanitären Anlagen haben die beste Zeit lange hinter sich. Dazu kommt ein altersschwacher Föhn, wie ich ihn aus öffentlichen Schwimmbädern Anfang der 80er Jahre kenne. Für 10 Tage beneide ich jede und jeden um den praktischen Kurzhaarschnitt oder die Glatze.

……………………………..Es ist hellhörig und man fühlt sich kaserniert. Im Raum meines Vaters gibt es immerhin einen kleinen Röhrenfernseher, dafür aber keine Nachttischlampe. Lediglich eine sehr helle Deckenlampe, für die es aber nur einen Lichtschalter auf der gegenüberliegenden Seite des Bettes gibt. Also aufstehen, Licht ausmachen und dann zurück ins Bett stolpern. Ich habe keinen TV in meinem 8-9 qm großen Zimmer, dafür aber zwei Nachttischlampen. Davon abgeben kann ich allerdings keine, denn sie sind fest auf einem Brett montiert. Wir haben aber jeder einen Safe und einen Kleiderschrank mit vielen Bügeln. Das wiederum ist alles andere als selbstverständlich.

Voller Vorfreude gehen wir zu unserem ersten Abendessen. Das muss ja gut werden, sind wir doch in Italien, umgeben von vielen, vielen französischen Clubgästen. Leider ist das Essen völlig fade und geschmacklos. Auch die Auswahl ist enttäuschend. Und bei einer ca. 70% Auslastung kann man sich ausmalen, wie es an den Futterstellen und an den Tischen zugeht.

Wir lassen uns unsere gute Laune nicht verderben und erkundigen uns nach Autovermietung und Ausflügen. Beides ist wirklich inakzeptabel teurer. Naja, denken wir uns, bei tollem Wetter und Riesensportangebot können wir ja die Zeit auch sehr gut auf dem Clubgelände verbringen.

Wäre da nicht das anfangs sehr gute, dann sehr wechselhafte Wetter. Hinzu kommen Sportstätten, die entweder heruntergekommen oder vollständig verlassen sind. Einige Einrichtungen sehen aus, als wäre der Club bereits vor etlichen Jahren pleite gegangen und geschlossen worden.

Aber wir sind tapfer und guten Mutes. Always stay positive!

So gehen wir an Tag 2, bei noch sonnigem Wetter, zum Einführungskurs Katamaran segeln. Die völlig angeknipste Aline, 23 jährige, vollschlanke Belgierin, bringt uns erst die Theorie am Flip Chart und dann die Praxis mit diversen Übungen auf dem Wasser bei. Mit an Bord ein Teenie namens Max, der deutsch spricht und in Südafrika lebt, sowie der Londoner John, durch die dunkelbraune Lederhaut, schwer zu schätzen. Irgendwas rundum 60 würde ich sagen. 2,5h beschäftigen wir uns so mit dem Segeln, was großen Spaß macht. Zu dem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, dass es das einzige Mal bleiben wird. Denn erst bekommt mein Vater eine starke Erkältung und dann, als es ihm wieder gut geht, finden wir heraus, dass aufgrund des Riesenandrangs auf die 10 Katamarane, jeder nur jeweils für 30 Minuten verliehen wird. Da lohnt es sich ja gar nicht, eine Schwimmweste anzuziehen und sich mit den Segeln und den Windverhältnissen vertraut zu machen.

An den folgenden Tagen wird unsere Gelassenheit auf eine weitere Probe gestellt. Das Wetter wird schlecht. Immer wieder regnet es. In einem Club wie diesem, ist das sehr trostlos. Darum gehen wir zum Hertz-Schalter und erkundigen uns nach den Mietwagenkonditionen. Denn am Tag zuvor waren wir schon mit dem Linienbus eine Stunde in den größten Ort der Provinz gefahren, um die dortige Avis-Filiale zu suchen. Das Suchen bleibt erfolglos. Wir laufen ca. 8km an einer Ausfallstraße, ähnlich des Mittleren Rings, auf und ab. Ohne Mietauto landen wir in einer Shoppingmall. Die mag ich sowieso schon nicht. Dieses Exemplar weist allerdings besonders minderwertige Geschäfte auf.

Und das im Land der Mode! Budgetschonend, aber sehr frustrierend.

Wir gehen also zu Hertz. Es nützt ja nichts, bei diesem Regen! Für sage und schreibe 115,- bekommen wir für einen Tag einen Lancia Y. Der Hertz-Tag hat allerdings nicht 24h sondern 12h. Nach Ablauf dieser Zeit muss der Wagenschlüssel wieder abgegeben sein. Wir fahren damit nach Agrigent. Das soll angeblich lohnenswert sein. Der Weg dorthin ist weit, immer wieder regnet es stark. Nach ca. 2,5h treffen wir dort ein. Nicht besonders aufregend dieser Ort. Und dann noch kurz vor der Siesta. Wir gehen in ein Lokal namens Manhattan (was für ein Name in einer sizilianischen, historischen Stadt). Die Tische draußen befinden sich auf mehreren Treppenabsätzen. Eine sportliche Herausforderung für die Kellner der Trattoria. Wir bestellen Pizza und hausgemachte Ravioli. Beides schmeckt nach nichts, ganz in „Club Med Manier“. Mit dem abschließenden Espresso kommt der Regen zurück. Unsere Schirme befinden sich aber leider im Auto auf dem Dorfparkplatz. Dorthin eilen wir, um dann direkt zu den Tempeln Agrigents, etwas außerhalb zu fahren. Für 10,- Eintritt pro Nase, laufen wir bei strömendem Regen, auf schlammigem Untergrund den Weg zwischen zwei gut erhaltenen Tempeln von etwa 580 v.Chr. ab.


Danach reicht es uns. Wir machen uns auf den Rückweg. Durch einen unfreiwilligen Umweg kommen wir nach etwa 3,5h wieder im Club an. Schief und krumm von den wenig bequemen Sitzen des Lancia. Vollgetankt (1,57 pro Liter Diesel) geben wir den Wagen zurück. Das werden wir nicht wiederholen.

Am übernächsten Tag kehrt – ein Glück – das schöne Wetter zurück. So verbringen wir die komplette zweite Urlaubshälfte lesend am Strand. Unterbrochen wird diese Zeit lediglich durch Nahrungsaufnahme und frühes Schlafen gehen. Sogar im Meer baden, gehen wir ein paar Mal.

Durch Zufall entdecken wir noch am vorletzten Tag den Platz zum Bogenschießen, worauf sich mein Vater sehr gefreut hatte. Tage zuvor waren wir an einem anderen Ort im Club noch auf einer völlig verwahrlosten, früheren Bogenschießanlage gestanden. Diese hier am Strand scheint in Betrieb zu sein, darum lasse ich meinen Dad gleich dort. Jedoch bereits eine halbe Stunde später kommt er entnervt zurück an den Strand. Blutige Anfängerinnen, die den ganzen Ablauf verzögern, haben ihm das Bogenschießen verleidet.


So lesen wir. Essen drei Mal pro Tag Dinge, die nicht gewürzt sind. Trinken dazu den sizilianischen Hauswein, nehmen einen Absacker an der Bar (bereits gegen 20.30h) und gehen dann schon in unsere Apartment. Ich mit Leselampe in mein Zimmer. Mein Vater ohne Leselampe, dafür aber mit dem ZDF (dem einzigen deutschen Sender), in sein Zimmer.

Heute nun ist der Urlaub vorbei. Während ich diese Zeilen schreibe, fährt uns ein Bus zum Flughafen nach Catania. Das Wetter ist noch immer schön. Traurig wieder heim zu kommen, sind wir dennoch nicht. Sind es unsere Ansprüche oder unsere Mentalität, jedenfalls teilen wir die Begeisterung der französischen und Schweizer Clubgäste so gar nicht. Vielmehr ist für uns Club Med ab heute Geschichte. Und Sizilien vorerst auch!