BALI – Teil 2

BALI – Teil 2

Bali ist wunderschön, die Vegetation üppig, das Essen sensationell und die Menschen sehr freundlich und hilfsbereit. Der perfekte Platz für einen Strand- und Badeurlaub ist es allerdings nicht. Da die Insel vor Jahrmillionen aus Vulkangestein und -asche entstanden ist, sind die Strände bis auf wenige Ausnahmen, entsprechend grau bis schwarz. Das lässt dann auch die Buchten und das Meerwasser düster aussehen. Die Suche nach dem White Sands Beach, über den man überall lesen kann, erweist sich erst als mühsam, dann als Reinfall. Nach 2h endlich dort angekommen, es geht über Stock und Stein, steil bergab mit den Rollreifen eine helle Freude, (Strände sind kaum ausgeschildert, man muß fragen, fragen, fragen), wird man 2x abkassiert, um dann nach einem kurzen Fußweg auf einen mittelgrauen Strandabschnitt zu treffen. Der ist also das Highlight der Region? Na toll! Und in einer Stunde ist der dann auch schwarz, weil die Sonne dann untergegangen ist.

Da fällt es nicht schwer, sich am nächsten Tag mit einem Fahrer des Nirwana Resorts (für 300.000 Rupies, was doch im Verhältnis zu Essen, Textilien und Benzin teuer ist) auf den Weg ins Landesinnere zu machen. Etwa eine Stunde Fahrt, es geht nach Ubud, berühmt für seine Reisterrassen. Das reservierte Hotel dort heisst Bali Spirit Hotel & Spa. Es bietet Yoga- und Meditiationskurse an (die allerdings genau in meiner Woche ausfallen, weil der Yogalehrer Urlaub hat, wie ich noch erfahren werde). Wenn die nicht in aller Herrgottsfrühe sind, werde ich da gerne mitmachen.

Das Hotel liegt in einem wunderschönen Garten, viele Stufen trennen die einzelnen Villas und öffentlichen Bereiche. Ich wundere mich und freue mich zugleich, hier den Meerblick gar nicht zu vermissen. Grillen zirpen, zahllose Vögel geben Dauerkonzerte, ab und zu hört man Frösche und Geckos.

Das Örtchen Ubud ist voll von Läden und Kneipen. Zwischen all dem bereits bekannten Touri-Souvenirangeboten, entdeckt man diverse wirklich hübsche Geschäfte mit besonderen Sachen. Zu Essen wird viel Bio, Vegetarisch, Vegan und Rohkost angeboten. In jeder Straße befindet sich zumindest ein Yogastudio. Die Menschen, die man hier antrifft, sind bunt, tätowiert, individuell und lässig. Weit gereist, entspannt, urban, international – diese Schlagworte fallen mir ein, wenn ich in den 3 Tagen immer wieder in einem Straßencafé oder Reisterassenrestaurant die abwechslungsreiche Maße Mensch an mir vorbei ziehen lasse. Auch hier ist es ratsam, mit einem gemieteten Roller die Gegend zu erkunden. Rund um Ubud gibt es viel an Handwerk wie Holzschnitzereien, Silberschmuck und Malerei zu bewundern. Auch aus Stein kann man am Straßenrand immer wieder wunderschöne Figuren und hinduistische Gottheiten bestaunen. Leider allesamt viel zu groß und schwer, um sie mit heim zu nehmen. Für4,- eine Hose bekomme ich in ganz Ubud und Umgebung allerdings nicht. Auch die Unterkunft und die Restaurants sind hier von allen geplanten und bereits besuchten, am teuersten. Selbst der Roller kostet doch tatsächlich umgerechnet Euro 5,-, nicht 4,- wie zuletzt.

Als nächstes geht es für zwei Nächte in ein Strandhotel nach Sanur. Kontrastprogramm ist angesagt. Denn mit Sanur begann Ende der 1960er Jahre auf Bali der Tourismus. Angefangen hat alles 1966 mit einem hässlichen Betonkasten direkt am Strand von Sanur. Glücklicherweise hat die indonesische Regierung weitere Bausünden mit einem entsprechenden Bauverbot im Keim erstickt. So hat Sanur einen sauberen (hellbeigen) Strand und kaum Wellengang, was das Baden ermöglicht, wenn es die Gezeiten erlauben. Wirklich schön ist es hier aber nicht, finde ich. Zu touristisch, vor allem sind es eher die wenig ansehnlichen rotverbrannten, schlecht tätowierten Briten sowie mittelalte andere europäische Klettsandalenträger. Auch ist das Hotel Gazebo Beach ziemlich in die Jahre gekommen. Lediglich die direkte Strandlage erfreut mein Herz.

Für mich ist das Highlight die vorletzte Station. Von Sanur aus geht es per Schnellboot auf die Insel Lembongan. Ein sehr ruhiges Eiland, das durch schöne Vegetation, helle Strände und türkises Wasser besticht. Laisser-faire. Vier Tage keine Menschenmassen und zahllose hupende Roller auf der Straße. Ein Inselschen mit internationalem, entspannten Publikum. Die ausgesuchte Bleibe heisst Lembongan Cliff Villas und bietet von nahezu jedem Winkel einen atemberaubenden Blick auf die Mushroom Bay, wo unser Schnellboot anlegt. Mit einem Pickup auf dessen Ladefläche quer zwei Holzbänke angebracht sind, geht es über Stock und Stein hinauf in die Unterkunft.

Ich geniesse die Ruhe, frühes Schlafen gehen und vermisse nicht einmal das Entertainmentprogramm, das hier völlig fehlt. Selbst einen Fernseher darf man hier nicht erwarten. Wieder täglich mit dem Roller unterwegs (der kostet hier Euro 5,50 inkl. Benzin, so viel man braucht), kann man schnell die ganze Insel und die diversen Strände und teilweise sehr guten heimischen Warungs (einfache Straßenlokale) abfahren. Die Preise sind sensationell niedrig. Selbst im edlen The Beach Club at Sandy Bay kann man für umgerechnet Eure 30,- abends gut zu zweit Essen und Trinken und sitzt dabei direkt oberhalb eines Sandstrands, bei chilliger Musik und sehr gutem Service.

Von hier geht es nach 5 Tagen zurück nach Bali. Denpasar ist für eine Nacht die letzte Station dieser wundervollen Reise. Ich habe mich für ein Stadthotel entschieden, dass nahe am Flughafen gelegen ist. Der Verkehr ist hier morgens und abends Horror und ich möchte nicht den Flug nach Jakarta verpassen. Am letzten Tag kann man so nochmals alles abfahren, was man an dieser Küste Balis kennen gelernt hat. Einige Boutiquen und Souvenirstände werden noch geräubert, ein letztes Mal balinesisch gegessen und 2-3 frische Säfte von Mango, Papaya und Ananas genossen.

Alles hat einmal ein Ende, das wird mir in den letzten Stunden schmerzlich bewusst. Die knapp drei Wochen Urlaub, die ich auf Bali und Lembongan geniessen durfte, waren toll. Es war überhaupt das erste Mal, dass ich drei Wochen am Stück im Urlaub war. Daran könnte ich mich gewöhnen. Die Menschen und deren Lachen, die Vegetation und Küsten, das Entspannte, das Klima und die Einfachheit haben mich gefangen genommen. Selten habe ich mich so wohl auf Reisen gefühlt, das Leben zu Hause weniger vermisst und mit weniger Urlaubsbudget so schön gewohnt und gelebt. Selbst auf Sri Lanka gibt man für vergleichbare Unterkünfte um einiges mehr Geld aus und bekommt kaum hübsche Andenken für sich und die Lieben, sieht man einmal von den tollen Holzschnitzereien dort ab.

Indonesien sieht mich ganz sicher wieder. Das nächste Mal dann Lombok, Sumatra oder Java.