Die Anreise – Teil 2

Die Anreise – Teil 2

Jetzt gab es kein Zurück mehr. Ich musste mit der Sprache raus: also Wolfi, meinen Lebensgefährten, anrufen und beichten. Mit der S-Bahn ging es nach Hause,  um den nächsten Versuch morgen abzuwarten.

Das ging ja schon gut los!

Die Nacht war unruhig. Wolfi musste lachen, wie man doch so schnell in die Entschleunigung kommen könnte, feixte er. Dennoch ließ er es sich nicht nehmen, mich abermals zum Flughafen zu bringen. Ich erreichte das Gate. Alle kannten mich schon. Der lustige Sascha von Singapore Airlines, ein schwuler Dicker, persischer aristokratischer Abstammung, gab grünes Licht. Ich bekam den letzten Platz am Notausgang. Da war ich echt froh, wie man sich vorstellen kann.

Für den Weiterflug Singapur -  Denpansar war ich wieder auf Stand-by. Auch Wurscht.  Klappt schon, dachte ich mir. Weit gefehlt! Aber im Moment war ich erst einmal selig.

Am Gate H kam dann noch der Purser vom Vortag zu mir. Und zwar der, der mich nicht mehr rein gelassen hatte.  Er teilt mir mehrmals mit, wie leid ich ihm getan hätte. Aber ich war wirklich drei Minuten zu spät gewesen am Vortag.

Seit diesem Vorfall, werden  die Ausrufe nicht nur auf dem Gate H sondern auch auf G durchgesagt.  Ich finde das nur logisch. Wenn einer schon richtig ist, muss man ihn ja auch nicht suchen.

Selbst beim zweiten Anlauf hatte ich Schwierigkeiten, her zu finden. Im Flieger saß ich endlich, nachdem ich herzlichst vom Lufthansapersonal begrüßt wurde, die glücklich waren, mich zu sehen.

Ich fliege also erst mal los. Unterhalte mich mit Feisal, dem Steward, über das Müller‘sche Volksbad. Er findet den Gay Tag dort sehr spannend. Er ist unglaublich höflich und entzückend. Ich gebe ihm meine Adresse und die vom Gaia Oasis, meinem Zielort.

Das war mein Anfang einer Reise, wie man ihn sich nicht vorstellen kann. Aber alle bis auf einen, waren wirklich entzückend. Es scheint ein Ruck durch die Menschheit zu gehen. Das kann nicht alles das Ergebnis unzähliger Rhetorik- und Motivationstrainer oder vorgeschriebener Zwangsseminare in der Dienstleistung, sein.

Im Flieger nach Asien, habe ich die Wahl: Hühnchen oder Fisch? Ach, erst einmal einen Singapore Slam – wollen doch die Reise standesgemäß und dem Reiseziel entsprechend, beginnen. J

Der Purser steht vor mir, grinst und freut sich, dass ich mitkomme. Ab in den Flieger und herrlicher Platz mit Fußablage, weil eben Notausgang. Ich bin glücklich, wie schon (wie lange eigentlich) nicht mehr? Eine Stewardess, die auch gestern schon am Gate war, eben dem richtigen aber zu spät und begrüßt mich herzlich. Wie schön es wäre, mich sitzen zu sehen. Zwei Plätze neben mir säße ebenfalls ein Passagier, der wohl noch auf dem falschen Gate sei und auf den wir derzeit warteten. Leider hatte der wohl auch konditionelle Probleme, wie ich am Tag zuvor, und war wohl ebenfalls die besagten 3 Minuten zu spät.

Dann in Singapur, ist für den Stand-by-Flug zeitlich alles okay. Nur mein Koffer kommt nicht schnell genug aus dem München Flieger. Darum kein Stand-by für mich! 6 Stunden warten bis zum nächsten Flug.

Ist offensichtlich mein aktuelles  Thema: Endschleunigen. So, ab in die Lufthansa Lounge. Ich bin schließlich Miles & More Kartenbesitzer, denke ich mir selbstbewusst. Sorry, kein Zutritt! Erst ab Goldstatus. Okay! Lächeln und weiter endschleunigen.

Mir reicht es dann doch. Vor allem weil ich weiß, dass ich einschlafen werde. Kein Wunder, bei 24 Stunden ohne Schlaf. Das wäre es dann gewesen: ich am Gate; verschlafe den Flieger; der wieder weg; nix mehr mit Stand-by.

Darum bin ich dann für vier Stunden Schlaf in ein Transit Hotel gegangen. Duschen und dreifache Weckfunktion inkl. Wake-up Call der Rezeption. Bei so viel Freundlichkeit und Lächeln, weiß man ja nicht, ob die auch zuverlässig sind hier!

Endlich. Während des Fluges nach Bali mit dem General Manager des Hotels Banyan Tree Bali, geratscht. Bei Dunkelheit angekommen. Abgeholt werde ich von Neyoman. Ich stehe abermals im Wasser. Es hat 30 Grad und gefühlte 100% Luftfeuchte.

Serpentinen über die Insel führen uns in 2,5 Stunden zum Ziel. Vorbei an unendlichen hinduistischen Zeremonien, denn es ist Vollmond.

Jetzt ist mir endgültig schlecht. Die letzten dreihundert Meter steigen wir um auf ein wir auf ein Moped. Das Gaia Oasis ist so weit vom Schuss, dass nicht einmal eine Straße hinführt.

Endlich angekommen, hole ich mir ein Bier aus dem Kühlschrank (Gott sei Dank wird das mit dem „alkoholfrei“ hier doch nicht überbewertet!). Alle schlafen schon. Es herrscht Mucksmäuschenstille. Ich setze mich vor meinem Hüttchen auf die Mauer, schaue ins Meer bei Vollmond und rauche erst einmal genüsslich eine Zigarette (im Nichtraucher Zentrum).

So war mein Ankommen auf Bali, wo ich die nächsten Monate verbringen sollte!