Zehenringe und Haremshosen

Zehenringe und Haremshosen

Endlich bin ich wieder hier auf Ibiza. Nun schon das dritte Mal. Ende Mai/Anfang Juni ist das Partyvolk noch kaum vertreten. Erst nach und nach starten die Opening Events der großen Clubs.

Es ist wieder das Hotel Simbad in der Bucht von Talamanca geworden. Der direkte Blick auf die Bucht und Ibiza-Stadt vom Bett aus,  sind Pflicht und werden zur geliebten Tradition. Denn meine Mama und ich wissen bereits an Tag 1 unserer Inselwoche, dass wir nächstes Jahr erneut kommen wollen. Dann gleich 10 oder 14 Tage.

Irgendwie ist dieser Ort magisch. Mich stimmt er sehr fröhlich, ich schlafe friedlich meine 8 Stunden, das Essen ist außergewöhnlich mediterran, das Publikum international und die Lage fantastisch. Ein paar Gewohnheiten und Rituale tun schließlich auch gut. Und in diesem Fall ist die Vorstellung von jährlich Wiederkehrendem einfach großartig.

Am ersten Tag, das ist klassisch, sind wir faul. Ausgiebig Frühstücken, zum Steg am Strand spazieren und den einheimischen Jungs dabei zusehen, wie sie stolz ihre farbenfrohen Jetski zu Wasser lassen. Dann überrascht uns ein Regenschauer, gerade als wir uns am Pool niederlassen. Wir sind flexibel und machen Siesta auf dem Zimmer. Eine Stunde später ist wieder bestes Wetter und wir gehen am Strand entlang Richtung Ibiza-Stadt. Dort haben wir letztes Jahr ein chilliges Lokal mit gemauerten Lounge-Ecken und Traumblick entdeckt. Eine Platte mit Queso Manchego, Tomatenbrot, Oliven und Roséwein wird bestellt. So lässt sich bei strahlendem Sonnenschein und Meeresbrise wunderbar den Nachmittag verbringen.

Selbstverständlich Pflichtprogramm auf Ibiza für uns ist der Besuch von Ibiza-Stadt. Ein gemächlicher Fußmarsch von einer Stunde bringt uns dorthin. Erst am Strand entlang, dann via Hafen (hier verkehren auch die Fähren nach Formentera und Menorca. Außerdem gibt es zum Teil herrschaftliche Yachten zu bestaunen). Dort angekommen, stürze ich mich jedes Mal auf all die bunten Stofftaschen, die Tuniken, den Hippieschmuck und all die Räucherstäbchen. Wobei man schon sehr genau hinsehen muss, dass man nicht den ganz billigen Kram aus China ergattert.

Möchte man Design aus Ibiza, geht man am besten auf den Hippiemarkt in Punta Arabi. Er findet immer mittwochs statt und ist mit 500 Ständen der größte. 100% Hippie, wie ich es liebe. Klar, dass wir am Mittwoch hier herfahren. Haben uns eigens einen Wagen für diesen Tag gemietet. Dann sind wir frei zu entscheiden, wie lange wir bummeln und wo wir später Essen und Siesta am Strand machen.

Es ist furchtbar voll auf dem Hippiemarkt in Punta Arabi. Gefühlt haben sich alle derzeitigen Besucher Ibizas dort heute eingefunden. Der Markt schlängelt sich durch Pinien. Es geht sehr langsam voran. Dass es sich bei den feilgebotenen Dingen ausschließlich um heimische Wäre handelt, bezweifle ich sehr. Ab und an findet man sicherlich ibizenkisches Handwerk und Design, das sind dann aber auch höher preisige Dinge, die weniger Anklang finden als der ganze 08/15 Quatsch. Ich gucke mir explizit diese Stände aus, kaufe ein tolles Geburtstagsgeschenk für einen tollen Menschen, ein paar wunderschöne Ohrhänger aus lauter bunten, kleinen Perlen und ein Armband aus einer recycelten Fahrradkette. An diesem Stand gibt es auch Clutches und Portemonnaies aus Motorradreifen. Wenn die nicht so streng riechen würden, hätte ich mir eine Nieten besetzte Unterarmtasche gegönnt.

Während das Geburtstagsgeschenk präpariert wird, setzen sich meine Ma und ich unter eine Pinie, trinken eine gekühlte Coke und sehen uns die vorbei ziehenden Massen an. Ich frage mich, wann die Hemmungen aller schlecht und furchtbar unvorteilhaft gekleideter Frauen gefallen sind? Alle sind ein bisschen mehr Hippie als daheim, soviel ist sicher. Das ist bei mir nicht anders. Man trägt Blumen im Haar, Strohhüte, wallende Kleider und Tuniken, Haremshosen, Zehenringe, lange Ketten und zahllose bunte, geknüpfte Armbänder. Da sehen auch die Tätowierungen, zumindest die gelungenen, toll aus.

Aber was ist mit dem Körperbewusstsein passiert? Frauen jeden Alters und wirklich jeden Ausmaßes tragen ultrakurze Jeansshorts und pressen sich in Tops, die mindesten 2 Nummern zu klein sind. Es wabert und schwabbelt an allen erdenklichen Stellen. Man möchte Pareos verteilen und die Fleischberge damit verhüllen. Was ist das? Der Hippiespirit? Die Hitze kann es Ende Mai noch nicht sein. Wir haben gerade mal 22 Grad. Und haben diese Frauen keine Freunde, Ehemänner, Schwestern, Freundinnen oder zumindest einen Spiegel.

Ich finde das schade. Gibt es doch hier und sonst wo für alle passende Kleidung. Lässig, modisch, von mir aus flippig, sommerlich. Aber eben typgerecht und zur Figur passend.

Noch drei Tage Ibiza. Heute ist nochmals faulenzen angesagt. Und ein erneuter Spaziergang nach Eivissa. Beim ersten Mal waren wir ja nicht oben in Eivissas Altstadt. Das holen wir heute nach und besorgen dabei gleich noch einige Mitbringsel. Es ist noch kühl und ruhig dort oben. Viele Kneipen haben noch geschlossen. Die Stimmung ist aber gerade deshalb so schön.

Zum Abschluss noch ein Tag auf dem Wasser. Das mag ich besonders. Ich habe eine Katamarantour entlang der Küste, bis Formentera gebucht. Urlauber aus aller Herren Länder sind mit an Bord. Die Musik ist noch erträglich und beim Publikum ist selektive Wahrnehmung vonnöten. Trotzdem genieße ich den Tag, weiße Sandstrände und türkisfarbenes Wasser – wie in der Karibik. Noch zu kühl für ein Bad aber wirklich trotzdem wunderschön.

Die Woche ist vorbei. Viel zu schnell vergangen, das ist ja normal, wenn es einem irgendwo richtig gut gefällt. Da hilft nur eines: Wiederkommen!