Sri Lanka Reisereport von Sonja – Teil 2

Sri Lanka Reisereport von Sonja – Teil 2

Wir nehmen ein TukTuk. Eilidh fährt mit dem Roller, den sie hier mit einer Einheimischen teilt. Wir fahren durch ein kleines Tor an einer Hauptstraße in Kalutara. Im Hof warten schon ein paar Kids, wobei man davon ausgehen kann, dass sie sich tagsüber sonst auch hier draußen aufhalten. Alle strahlen uns an. Einigen Mädchen sieht man an, dass sie Down-Syndrom haben. Aber allesamt sind gut gelaunt, lieb zu uns und kein bisschen verwahrlost. Selbstverständlich ist das sicher nicht, auch wenn das nur eine Vermutung von mir ist. Alle Räumlichkeiten sind sehr spartanisch aber sehr sauber. Persönliche Sachen scheinen die Mädchen nicht zu haben. Bis auf die Kuscheltiere, die wir vorige Woche schon organisieren konnten. Hätte Eilidh nicht ihr Talent zu malen, wären auch alle Wände, des 1979 eröffneten Waisenhauses karg. Sie aber hat sich auf einigen mit schönen Bildern verewigt. Am besten gefällt mir der Elefant in einem der Schlafzimmer.

In all dem Trubel, den wir mit unserem Besuch verursachen, kommen noch ein paar englische Mädchen, die sich als Volunteers zu erkennen geben. Ein halbes Dutzend von ihnen kommt seit Januar dieses Jahres montags und mittwochs für 1-2 Stunden zum Singen, Tanzen und Spielen. Unsere Bescherung lässt sich somit heute nicht umsetzen. Wir räumen das Feld für die Volunteers und planen, an einem anderen Tag nochmals zu kommen.

Stattdessen fahren wir heim und gehen zusammen an den Strand. Der Tag neigt sich bereits dem Ende. Hier wird es gegen 18.30h bereits dunkel. Das ganze Jahr, aufgrund der Lage am Äquator. Das Meer ist sehr warm. Niemand sonst badet. Ein paar Fischer verfüttern ihre Reste an die streunenden Hunde. Leider ist das ganze Strandstück voller Müll. Touristen sind hier Mangelware, wenn es auch zwei Hotels hier gibt. Potential ist hier zweifelsfrei gegeben. Aber ohne mehr Engagement, gepflegte Strände und bessere Infrastruktur, wird sich dieses Fleckchen am Indischen Ozean nie über weitere Touristen freuen können. Und ich spreche hier wahrlich nicht von Massentourismus, den keiner möchte, sondern ein paar Tausend internationalen Reisenden, die z.B. nach einer Rundreise noch ein paar Tage relaxen wollen, bevor es wieder heimwärts geht.

Immer wieder sitzen wir in der Runde und überlegen immer wieder, was zu tun ist. Dem Sukitha Waisenhaus geht es verhältnismäßig gut. Es klingt irgendwie blöd, aber ich habe es mir viel dramatischer vorgestellt. Wie es aussieht, sind mehr als die Hälfte der Kinder dort gar keine Waisen. Da müsste man also ansetzen. Die Eltern dazu zu bewegen, ihre Kinder gar nicht erst abzugeben, “nur” weil sie eine Behinderung haben. Vielmehr müssten die Kinder und deren Familien, geschult und gefördert werden, um mit dem Handicap umgehen zu können. Das müsste dann aber auch staatlich gefördert werden. Ein zusammen gewürfelter Haufen, wie wir es sind, kann das sicherlich nicht leisten.

Also bleiben wir lieber bei den überschaubaren, möglichen Maßnahmen. Nachvollziehbar aber für mich im Moment schwer verdaulich und demotivierend. Ist es doch sehr viel leichter, wie dieses Mal ein paar Hundert Euros zusammen zu sammeln und dazu Sachspenden herzuschicken. So macht es Eilidh bereits seit 9 Jahren. Nur, dass sie zusätzlich noch 2-3 Monate pro Jahr hier vor Ort verbringt. Das soll keinesfalls ihre Arbeit schmälern. Aber es ist eben nicht mehr und nicht weniger.

Ich zerbreche mir nun den Kopf darüber, wie das künftig aussehen kann. Kann ich eher Struktur einbringen, in dem ich zusammen mit anderen einen gemeinnützigen Verein gründe? Können wir damit dann mehr erreichen? Werden wir ausreichend Unterstützer finden? Kann ich als Kopf genug von dem bewirken, was ich wünschte bewirken zu können? Wie hoch sieht der zeitliche Aufwand für mich aus? All dies und mehr, dieses Thema betreffend, geht mir angestrengt durch den Kopf.

Urlaub fühlt sich anders an!

Darum beschließen wir eine kurze Entspannungsphase einzulegen. Das kann man sehr gut in Hikkaduwa, einem touristischen aber schönen Ort mit langem Sandstrand und vielen Beachbars. Er liegt mit dem Bus etwas zwei Fahrstunden von Kalutara entfernt.

Ein bisschen ist noch der Hippieflair vergangener Zeit zu spüren. Wir sind hier in einem ganz einfachen Hotel, direkt am Strand, mit entspannter Musik und Lounge-Ecken. Wir kommen spät an, schaffen es aber noch baden zu gehen. Bei mir allerdings wird es ein Strandspaziergang. Die Wellen des Indischen Ozeans sind mir hier einfach zu hoch.

Abends essen wir Burger (ausgesprochen lecker) im Nordic House und besuchen eine Beachparty ein paar Hundert Meter von unserem Hotel. Das Publikum ist international, sehr jung und mit einem leichten Überhang an Russen und Skandinaviern . Mehr die Kategorie Backpacker. An diesem Ort wird mir dann auch noch nachts mein iPhone gestohlen, mitsamt einem Lipgloss und einem Mückenstift. Der typische Trick wird angewandt, einer lenkt ab, verwickelt mich in ein Gespräch, der oder die andere holt hinter meinem Rücken die aufgezählten Sachen aus der Tasche. So ist zumindest meine Vermutung. Den ganzen nächsten Tag erzählen wir allen am Strand davon, mit der Hoffnung, dass das Handy wieder auftaucht und uns zum Verkauf angeboten wird. Das Gerät selbst wäre es nicht wert, all die Telefonnummern und Fotos allerdings schon. Noch dazu, weil ich mir nicht sicher bin, wie es daheim mit Back-ups davon aussieht.

Wir verbringen also unseren “freien” Tag am Strand, kontaktieren mindestens ein Dutzend Einheimische, machen einen langen Strandspaziergang und genießen einen späten Lunch in einem Lokal direkt am Wasser.