Unwägbarkeiten (2)

Unwägbarkeiten (2)

Heute in drei Wochen mache ich mich auf den Weg nach Sri Lanka, zu den Waisenhäusern Kalutaras. In meiner Vorstellung schwer bepackt mit Kisten voller Spielsachen, Bastelbedarf, Kinderklamotten und Kuscheltieren. Der Bedarf ist groß, die Zustände in den Waisenhäusern wenig erfreulich.

Da liegt es für mich nahe, auf die Schnelle, zu tun, was mir – zusammen mit Freunden, Familie und Bekannten – möglich ist. Es ist auch schon einiges zusammengekommen, seit ich meinen Srilanka-mylove-Aufruf vor zwei Wochen gestartet habe. Sogar ein paar kleine Barspenden für die so dringend benötigte Waschmaschine haben wir bekommen.

Doch je mehr ich mich mit dem Versand von Gütern nach Sri Lanka beschäftige, umso verzweifelter werde ich. Im Internet habe ich mich bereits stundenlang durch Foren, Erfahrungsberichte, Preistabellen und Konditionen geklickt. Es ist erschreckend, wie lange es oftmals dauert, dass Hilfe unten ankommt. Nicht selten kommen erst nach Monaten nur noch beschädigte Kartons an. Teilweise sind sie dann sogar leer geräubert.

Wie soll man denn da motiviert bleiben, zu helfen? Was sind die Alternativen?

Klar, eine Alternative sind Geldspenden, mit denen man vor Ort notwendige Dinge besorgt. So kurbelt man nebenbei noch ein bißchen deren Wirtschaft an. Allerdings fällt es Menschen leichter, sich von gebrauchten Dingen zu trennen und einen Aufruf, wie meinen, zum Anlass zu nehmen, mal wieder auszumisten. Damit dann auch noch in einem fernen Land Kindern eine Freude zu bereiten, fühlt sich gut und richtig an.

Aber Geld zu spenden? Das tun viele schon zur Weihnachtszeit oder auf der Basis eines Jahresbeitrags an die zahlreichen, internationalen Hilfsorganisationen. Wie ich auch. Da bekomme ich dann ab und zu Aufrufe zu extra Spendenaktionen, Mitglieder-
zeitschriften und für die Steuer entsprechende Spendenquittungen. Zuletzt wurde ich Fördermitglied im WWF, weil ich in Berlin am Hackeschen Markt darauf angequatscht wurde. Für so etwas bin ich sehr empfänglich. Auch wenn ich mich frage, wie hoch der finanzielle Aufwand für die Verwaltung und das Marketing ist.

Da sehen Cihan, Eilidh und ich mit unserem Miniprojekt blaß und alt daneben aus. Oder vielleicht, um es positiv zu sehen, ist es genau das, was Vertrauen erweckt und sympathisch ist? Im Moment ärgere ich mich so sehr, dass es noch nicht einmal möglich scheint, gut gemeinte und benötigte Sachspenden sicher und zeitnah an ihren Zielort zu bringen.

Nach all den Internetrecherchen und einem schlechten Nachgeschmack, scheint es mir nur noch sinnvoll, Übergepäck bei Omanair aufzugeben, wenn ich am 3.3 fliege. Das ist sehr teuer, hilft aber nichts. Darum habe ich an alle relevanten Emailadressen der Airline in Frankfurt und München am Wochenende “Bettelmails” geschrieben, in der Hoffnung damit Sonderkonditionen zu erwirken.

Bitte drückt mir die Daumen, betet, trinkt einen auf mich oder führt irgendwelche Wunsch erfüllenden Zeremonien durch, damit ich wirklich in drei Wochen mit vollen Händen dort eintreffe. Alles was im ersten Schritt keinen Platz mehr findet, wird für die nächste Gelegenheit gesammelt.

So schnell gebe ich nicht auf!