Bettflucht

Bettflucht

Es ist Sonntag. Kurz vor sieben. Ich bin alleine daheim. Draussen ist es noch dunkel. Der Wind pfeift. Über Nacht hat es kräftig geschneit. Nichts müsste mich dazu veranlassen, aufzustehen.

Ich bin seit einigen Tagen zurück aus Sri Lanka und kämpfe täglich gegen die Bettflucht. Zwischen 5.30 und 7.00 h kann ich nicht mehr schlafen. Egal wann ich zu Bett gehe. Hellwach und fit beginne ich mich zu wälzen. In meinem Kopf zahllose Gedanken. Teils wirr, teils dem Thema Sri Lanka gewidmet.

Bereits sechs Mal habe ich den asiatischen Kontinent besucht. Die Zeitverschiebung hat mich bislang nicht so sehr tangiert. Sri Lanka – Deutschland sind auch nur 4,5 h. Schlimmer ist es da an Amerikas Westküste zu reisen beziehungsweise zurückzukehren (9 h zurück sind die Kalifornierer). Das schlaucht dann wirklich.

Was ist es also, dass mich so früh aus dem Schlaf holt? Der Tatendrang, an meiner Mission zu arbeiten (Sonntag, um 7 Uhr, bei scheusslichem Wetter)? Oder bin ich trotz der nachhaltigen Eindrücke und heeren Ziele, einfach toperholt und brauche nicht mehr Schlaf? Wobei fairerweise gesagt werden muss, dass ich noch immer auf sieben Stunden komme. Und die schlafe ich tief und fest. Ist doch eigentlich perfekt. Absolut effizient. Nur doof, wenn du einen Partner hast, der wahnsinnig gerne richtig lange in der Koje liegt. Am liebsten von dort aus dann noch morgens 1-2 Stunden glotzt. Keine Ahnung, wie ich das löse. Alleine schlafen ist ja dauerhaft keine Lösung.

Und was tue ich schon so früh? Wenn ich das Licht anmachen muss, weil der Tag mich verpennt. Wenn es in der Wohnung kalt und ungemütlich ist (in meiner nicht, die ist mukelig warm, dank Fußbodenheizung). Wenn ein fauler Sonntag ansteht. Wenn ich, sofern in der Wohnung meines Liebsten, ganz ruhig sein muss, um ihn schlafen zu lassen. Da scheiden selbst Kaffee- und Teezubereitung aus. Beide Geräte sind nämlich richtig laut.

Blöde Sache. Mir völlig unverständlich.

So sitze ich vor meinem Tablet und schreibe. Kolumnen, wie diese. Oder ich recherchiere Details für meine Sri Lanka Reise, checke meinen Facebook-Account, überlege, wen aus meinem Netzwerk ich für meine Mission gewinnen kann.

Wenn ich früher Langeweile hatte oder nicht schlafen konnte, habe ich mich stundenlang in Onlineshops herum getrieben. Mich durch Hunderte Seiten geklickt, auf der Suche nach vermeintlichen Must-haves der Saison.

Heute bemühe ich leo.org, um mir passende Übersetzungen aus der langen Bedarfsliste der Waisenhäuser auf Sri Lanka zu geben. Ich recherchiere Einfuhrbestimmungen und Preise für Taschenlampen mit Dynamo und Läusekämme.

Das Fremde hat mich verändert. Und es fühlt sich richtig an.

Ich wünsche mir trotzdem, dass ich mich bald wieder länger ins Bett kuscheln kann. Zumindest an Wochenenden ohne Programm.