Sri Lanka… zum Dritten – Teil 3

Sri Lanka… zum Dritten – Teil 3

Für den Tag nach unserer Beachsause (es ist für mich Halbzeit im Oasis – leider muss ich sagen), den Wecker auf 5.45 h fürs Morgenyoga. Gefolgt vom 3. Shirodaraguss. Mittlerweile bin ich zu keinem Essen mehr alleine. Unser Tisch wird länger. Leute kommen und gehen – die Konstellation meiner Tischnachbarn ändert sich ständig. Aber es bleibt immer spannend. Das ist schön.

Ein paar von beschließen, Mittwoch zu Vollmond (der jeden Monat ein wichtiger buddhistischer Feiertag ist), nach Kataragama, einer großen Tempelanlage zu fahren.

Das wird dann mein vorletzter Tag im Paradies sein. Dieses Mal ist wirklich alles wunderbar. Ich fühle mich extrem entspannt und wohlig, führe gute Gespräche mit abwechslungsreichen Menschen, mag die, die uns täglich Gutes tun. Das Wetter passt – ab und zu Wolken oder Regen stören überhaupt nicht – das darf man getrost paradisisch nennen.

Die Ayurvedakur selbst ist weniger streng, als bei den letzten Malen. Also mehr ein asiatischer Wellnesstripp – aber er wird mir ewig im Gedächtnis bleiben. Wiederholung nicht ausgeschlossen.

Ein paar aus unserer Gruppe schlagen vor, das zu einer jährlich wiederkehrenden Tradition zu machen. Immer zum Jahreswechsel. Wer kann ist dabei. So trifft man sich am bekannten Ort. Alle Jahre wieder und kann sich nicht aus den Augen verlieren. Schön, wenn das umsetzbar würde, realistisch ist es nicht. Kontaktdaten haben wir aber zumindest schon einmal untereinander ausgetauscht.

Endlich mein letzter Stirnguss. Erleuchtung oder andere wünschenswerte Zustände sind leider ausgeblieben.
Ab morgen geht es mit Dampfbädern los. Da liegt man in einem hölzernen Schwitzkasten. Nur der Kopf schaut heraus. Und das bei täglichen 32 Grad im Schatten und 80% Luftfeuchtigkeit. Ich freu mich riesig!


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.Bei dem einen Mal bleibt es dann auch, weil mir dabei schwindlig wird und ich das natürlich gleich bei meiner Arztkonsultation mitteile bzw. etwas dramatisiere. Die letzten vier Tage nur noch warmes Kräuterbad.

Am Nachmittag mache ich mit Cihan im Dreirad (TukTuk sagt man hier nicht dazu, erfahren wir an der Hotelpforte)nach Hambantota. Ich möchte gerne einen Ring zur Erinnerung an diesen schönen Urlaub finden. Begleitet werden wir von einem Hotelangestellten, zu dem Cihan schon ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut hat. Er führt uns durch sein Städtchen.

Hambantota liegt direkt an dem Küstenstreifen, der im Dezember 2004 vom Tsunami heimgesucht worden war. Alleine auf Sri Lanka mussten 50.000 Menschen dabei ihr Leben lassen.

Es herrscht geschäftiges Treiben. Touristen sieht man, ausser uns, weit und breit keine. Cihan fällt als dunkler Typ auch weitaus weniger auf, als ich. Jeder starrt mich an. Es ist aber nicht unangenehm, wie in manch anderen Ländern. Denn alle strahlen dabei. Vom Kleinkind bis zum Greisen. Ich bin hier fremd, fühle mich aber nicht unwohl.

Die Juweliere bieten erwartungsgemäß so gar nichts für mich passendes. Beim Suchen stoßen wir zweimal auf einen Ring der Freimaurer. Natürlich kann man uns beide Male nicht mehr sagen, woher sie stammten.

Auf dem Heimweg werden wir von unserem einheimischen Begleiter noch nach Hause zum Essen eingeladen. Die gesamte Verwandtschaft und nicht verwandte Nachbarn erwarten uns bereits. Ein Dutzend Augenpaare hat sich im Wohnzimmer eingefunden und beobachtet jede unserer Bewegungen. Minütlich kommt noch jemand dazu. Cihan, der ja Zauberer ist, begeistert groß und klein mit ein paar Tricks.

Danach genießen wir ausgesprochen, schmackhafte scharfe Gemüsecurrys, Reis, Salat und Rindfleisch. Soviel besser und authentischer als im Resort, das dem europäischen Gaumen angepasst kocht. Das Essen mit den Fingern (der bevorzugt rechten Hand) erspare ich mir und bekomme glücklicherweise sofort Besteck. Zum Abschluss wird noch quietschsüsser Schwarztee gereicht. Herzlich ist der Abschied von der großen Menschenschar. Für die grösseren Mädchen suche ich am Abend noch einige Teile aus meiner Urlaubsgarderobe zusammen, die ich am nächsten Tag herschenken möchte.

An meinem vorletzten Tag, fahren wir zur Tempelanlage von Kataragama. Es ist Vollmond und damit buddhistischer Feiertag. Die meisten Gläubigen kommen in weiß und bringen Buddha Opfergaben wie Blüten und Obstkörbe.
An den zahlreichen Ständen vor der Anlage kann man dazu noch Räucherstäbchen und Kokosnüsse kaufen. Innerhalb der großen Anlage trägt niemand Schuhe. Berge von FlipFlops reihen sich vor dem Eingang auf. Wir suchen uns für unsere ein abgelegenes Eckchen, um sie später wieder zu finden.

Der lehmige Boden ist von Pfützen übersäht, weil es immer wieder heftig regnet. Zahllose Affen und Wasserbüffel gesellen sich zum regen Treiben. Sie leben in der großen Anlage. In den zwei Stunden, die wir hier aufhalten, kann ich andere Touristen an einer Hand abzählen. Obwohl ich mit Peter und Cihan barfuß durch den Regen und die Pfützen wandle, immer wieder den Verdauungserzeugnissen von Affen und Büffeln ausweiche, genieße ich diesen Ort des Friedens.

Große Freude und sehr viel Energie durchdringen mich. Jeder Mensch, dessen Blick mich trifft, trägt seinen Teil dazu bei. Diese uneingeschränkte Wärme und Freundlichkeit möchte ich gerne zusammen mit meinem wunderschönen geschnitzten Ganesha (die Jungs haben ihn mir tatsächlich geschenkt),in meinen Koffer packen. All dem Griesgramen in Deutschland würde dieses Lachen gut zu Gesicht stehen.

An meinem letzten Tag, komme ich nochmals in den Genuss von Kopf- und Gesichtsmassage sowie Fuß- und Synchronmassage. Krönender Abschluss jeder Ayurvedakur ist das kühle Blütenbad. In einem Meer farbenfroher, duftender hiesiger Blüten, sollen sich so die Poren wieder schliessen. Frau Doktor ist bei der finalen Konsultation sehr zufrieden und meint nach der Pulsanalyse, dass meine Doshas wieder ausgeglichen wären.

Und da soll noch einer sagen, ab und zu Rotwein oder Bier und Chips wären nicht ayurvedisch!

Schweren Herzens nehme ich Abschied. Und das passiert mir selten. Viel lieber bliebe ich noch hier. Um Land und Leute noch besser kennen zu lernen. Um zu helfen. Den Menschen hier, die so arm sind und doch so viel zufriedener erscheinen, als wir Westler in unserem Überfluss.

Peter fliegt 12 h nach mir. Zurück nach Österreich. Alle anderen sind bereits wieder zuhause. Nur Cihan nicht. Er zieht weiter in ein Waisenhaus für behinderte Kinder. Er macht das, was ich in absehbarer Zeit (in welcher Form auch immer), tun möchte. Er hilft. Geleitet wird es von einer sehr jungen Schottin, die bereits mit ihrem Freund seit ein paar Jahren auf der Insel lebt. Sie ist erst 26 Jahre alt!

Zuerst geht es jetzt aber erst zurück nach München. Es ist 6 h früh und ich sitze am brandneuen, surreal für diese Gegend wirkenden Flughafen von Mattala. Ganze zwei Flüge (einer davon nach Dubai), werden täglich in der marmornen Abflughalle abgefertigt. Mit sechs Einheimischen warte ich, in einer Reihe blitzender Chromschwinger, auf die Öffnung des Check-in Schalters. Ein paar Flughafenmitarbeiter entfernen in luftiger Höhe die letzten Reste der Weihnachtsdekoration. Der Securitymann kämpft mit dem Förderband. Es spuckt meinen Koffer immer wieder rückwärtig aus, weil er den falschen Knopf betätigt.

Mir fällt auf, dass das gesamte Flughafenpersonal lächelt und sehr freundlich ist. Und es gibt hier sehr viel Personal, im Gegensatz zu Passagieren. Jeder, der viel reist, weiß wie rar freundliche Flughafenmitarbeiter. Mit 1,5 h Verspätung geht es dann auch endlich los. Der Flieger, in den wir drei einsteigen (die anderen waren nur die Begleitung und sind nicht an Bord) ist von FlyDubai, die zu Emirates gehören. Er ist bereits voll, da Mattala nur eine Zwischenstation ist. Der Service gleicht dem von Germanwings oder Easyjet. Es gibt keinen. Bei über 5 h Flugzeit bekommt jeder Fluggast 0,2 l stilles Wasser. Alles andere (einschliesslich Zugang zum Entertainmentprogramm) muss gekauft werden.

So bestelle ich also zum Frühstück die Chicken Wrap Combo mit Diätcola und Pringles. Pfui Teufel! Was für ein Einstieg nach zwei Wochen gesundem Essen. Ich zahle zusammen mit dem Zugang zum Kinoprogramm 65 AED. Dabei weiß ich überhaupt nicht, wie viel das ist. Aber egal. Was ich zu diesem Zeitpunkt auch nicht weiß, ist dass ich die Stewardessen danach 4 h nicht mehr zu Gesicht bekommen werde. Somit kann ich mir auch kein weiteres Getränk bestellen. Ich sehe mir drei Filme an und warte, dass die Zeit verrinnt.

Jetzt noch 3 h Aufenthalt am Flughafen von Dubai, 6,5 h weitere Flugzeit (Gott sei Dank mit Emirates) und dann werde ich – nach 20 h, falls nix mehr dazwischen kommt – in München landen.

Sri Lanka, du siehst mich wieder! Hoffentlich schon bald!