Sri Lanka… zum Dritten – Teil 2

Sri Lanka… zum Dritten – Teil 2

Jetzt bin ich ein paar Tage schon hier und beobachte zunehmend, dass die Leute, die wie ich eine Kur machen und eklige ayurvedische Medizin schlucken, abends Bier oder Sekt trinken oder an Hühnerbeinen knabbern. Ich tue das grundsätzlich auch sehr gerne, sehe es hier nur fehl am Platz. Tja, ist so eine Sache mit der Disziplin. Wobei – säße ich nicht zu den Mahlzeiten alleine, könnte ich mir so ein Sundowner-Bierchen oder ein Glas Rotwein zum guten Gespräch, schon auch gut vorstellen.

Nach zwei weiteren typischen Ayurvedatagen, fühle ich mich vollkommen entspannt. Und das obwohl ich jetzt vier Tage lang um 6.30 h aufstehen muss, um zum Shiodara (Stirnguss – der Königsdisziplin im Ayurveda) zu gehen. Es braucht danach ein dreimaliges Shampoonieren und 10-minütiges Spülen meiner langen Haare, bis das Sesamöl einigermaßen verschwunden ist.

Drei Tage wird das noch so gehen. Ich halte den Stirnguss für total überbewertet. Ich entspanne dabei gar nicht. Habe auch keine Eingebungen oder bunte Bilder in meinem Kopf, wie andere mir das berichten. Aber egal.

Der ganze Aufenthalt, bei bestem Wetter, tut mir sehr gut. Alles, was ich tue (und das ist wenig), geschieht voller Muße. Banale Dinge wie Zähne putzen, Kleidung zusammenlegen, Kraniche und Vögel beobachten oder das Aufräumen meines liebgewonnenen, einsamen Häuschens, erledige ich mit größter Sorgfalt. Schon fast stoischer Ruhe.

Seit gestern Abend sitze ich auch nicht mehr alleine zum Essen. Eine erneute Einladung, mich dazu zu gesellen, habe ich nicht ausgeschlagen. In meiner neuen Gesellschaft: ein Österreicher, ein Schweizer, ein in Deutschland lebender Kanadier und ein türkischstämmiger Deutscher, der für länger hier auf der Insel bleiben möchte.

Alleinreisende Männer, die Ayurveda machen – das hätte ich mir auch nicht träumen lassen. Yoga und Meditation machen sie ebenfalls. Und sind dabei warm, herzlich, interessant und lustig! Von den Männern, die ich so kenne, könnte ich mir das nur bei zweien vorstellen. Beim einen, weil er Erlebtes verdauen könnte und beim anderen, weil er spirituell und weltoffen genug dafür ist, sich darauf einzulassen.

Alle anderen reden nur davon, dass sie mal was für ihre Gesundheit tun sollten und essen, trinken, rauchen unverändert weiter.

Apropos trinken, gestern war ich ein böses Mädchen. Mit meiner illustren Runde, sind wir in zwei roten Tuktuks samt persönlichem Lifeguard und Rettungsboje, an den etwa 30min entfernten Strand gefahren. Auf dem Weg dorthin, haben wir Halt bei einem Spirituosenladen gemacht und Bier gekauft. Gekühlt und in Dosen gab es leider nur das Lion Strong Beer mit 8,8 Prozent. Das nachmittags am Strand, ohne Schattenplätzchen, verfehlt seine Wirkung nicht.

Entsprechend lustig wurde es. Da das Bier (pro Nase zwei Dosen à 0,5l) irgendwann seinen natürlichen Weg nach draussen sucht, begleitete mich Cihan, aus unserer Truppe, der u.a. Zauberer ist, zum einzigen Haus weit und breit. Es gehört einem Belgier, der nur wenig Zeit dort verbringt. In seiner Abwesenheit wird es von ca einem Dutzend Einheimischen bewacht respektive bewohnt. Ich darf anstandslos die Toilette aufsuchen, während Cihan die Meute mit Kartentricks begeistert. Sie wollen ihn gar nicht mehr weglassen.

Nach diesem wenig ayurvedischen chilligen Nachmittag kommen wir leicht angetrunken zurück ins Resort. Schnell geduscht und umgezogen, gehen wir Abendessen. Starkbier nur mit Mangos und Gemüsecurrys als Grundlage, verlangt dringend feste Nahrung.

Danach, mit 2 h Verspätung, gehen wir noch zur abendlichen Medikamentenausgabe. Wie Mahnmale standen unsere vier Boxen auf dem langen Tisch. Peter aus Graz, der mit am Strand war, muß sich sogar noch einer ungeplanten Konsultation beim Ayurvedaarzt unterziehen. Der hat die Sachlage sofort erkannt, als wir kichernd die kräutrigen Scheußlichkeiten trinken. Peter wird ermahnt, weniger Alkohol zu konsumieren.