Downshifting – zur Nachahmung empfohlen

Downshifting – zur Nachahmung empfohlen

Einfacher und sinnerfüllter leben, heisst es hierzu auf Wikipedia. Wie definiert man einfacher und wann hat das Leben mehr Sinn? Darüber könnte man nächtelang philosophieren, denn diesen Lebensweg zu finden,
ist vollkommen individuell und alles andere als einfach.

Wann beginnt ein Downshifting? Ich, zum Beispiel, habe gerade eine Phase des Ausmistens, Aufräumens und neu Strukturierens. Alle Kommoden, der Schrank, die Küchenschubladen, Bad- und Büroutensilien werden hierfür auf den Kopf gestellt.

Und jedes einzelne Teil wird dabei in Frage gestellt: wann zuletzt getragen? Brauche ich das noch? Würde es mir einmal fehlen, wenn es weg wäre? Hebe ich Koch- und Backzutaten weitere 5 Jahre auf, bis es mir davor richtig graust? Kann ich die Lippenstifte auch nach 10 Jahren noch getrost auftragen oder initiierte ich damit erstmalig Herpesbefall? Die Hosen, die einen unförmigen Po machen, aufheben? Werde ich die 12cm Plateau-Highheels jemals tragen, die seit mittlerweile drei Jahren immer wieder von einer dunklen Ecke in die andere geschoben werden? Wie viele Jahre werde ich wohl in alte GeoSaison-Hefte gucken oder mir CDs aus den 90er Jahren anhören?

Weg damit: warum sich unnötig mit Ramsch und altem Zeug belasten, demotivieren oder verunstalten.

Dieser derzeitige Aktionismus befreit. Von altem Plunder. Und mental auch. Außerdem kommen beim Misten
auch tolle Teile ans Licht. Kürzlich fand ich ein mir gänzlich unbekanntes, wunderschönes, plissiertes, schwarzes Corsagenkleid – wadenlang und perfekt für mich geschnitten. Ich hatte es nie an. Wusste gar nicht, dass ich es hatte.

Durch mehr Raum in den Schränken, entsteht wieder Platz für Neues. Nicht nur für neu gekauftes, sondern für neue Kombinationen, verkümmerte Hobbies, verstaubte Bücher, Erinnerungen und Ziele.

Mehr Raum im Kopf. Neues Bewusstsein und dadurch neuer Sinn.

Ich kann das nur empfehlen. Weniger Dinge zu haben, dafür aber die gefühlt richtigen, gibt jedem einzelnen Gegenstand mehr Sinn. Mehr Aufmerksamkeit. Ich merke, dass zu viel haben, belastend sein kann.

Die Saison ist vorbei und wieder gab es zuwenige warme Tage, die Dutzenden Sommerkleider auszuführen.
Der Winter war nicht hart genug, um alle 89 Wollschals auszuführen. Das ist doch Stress!

Irgendwie hat jeder Lieblingsstücke, Lieblingsbücher, Lieblingsparfums, Lieblingsweine, Lieblingsfarben.
Lieber schwelgt ein jeder doch im Pool von Lieblingssachen, als sich mit Massenware und rauhen Mengen von Krimskrams leidenschaftslos voll zu stopfen.

Ein Hoch aufs Downshifting! Weiter so!