So bin ich. In Berlin.

So bin ich. In Berlin.

Jetzt sitze ich am Gate in Tegel und warte auf meinen Rückflug. Die letzten beiden Tage habe ich mich in Modemission auf der Show & Order, Premium und The Gallery herum getrieben. Ausserdem durfte ich gestern, dank der Agentur Stadtgespräch, die Runwayshow von SomySo sehen.

Ich mag Berlin. Irgendwie. Für ein paar Tage. Es ist so ganz anders als meine Heimatstadt München. Lauter, schriller, schmutziger, lässiger, bunter und eigener. Jeder läuft hier rum, wie er mag. Schlecht gekleidete, ungepflegte Menschen sieht man en masse. Dazwischen ein paar Paradiesvögel und Künstlertypen. Die allen Trends etwas pfeifen. Denen sicher auch die Fashion Week samt einem Dutzend flankierender Messen, schnuppe ist.

Anlässlich dieser Messen strömen innerhalb einer Woche ca. 250.000 Menschen nach Berlin. 50% davon aus dem Ausland. Genau zu dieser Zeit bin ich auch immer hier. Und ich lasse mich anstecken vom bunten Treiben. Ich liebe es, mich dann irgendwo in Mitte in eine nette Location zu setzen und stundenlang die vorbei ziehende Crowd zu betrachten. Wie ein Kessel Buntes. Kommende Modetrends sind zu sichten. Ebenso die üblichen Insignien namhafter Luxusmarken. Aber auch vogelwilde, mutige Stilmixturen wirklich kreativer Personen. Erlaubt ist, was gefällt.

Wenn ich für Berlin packe, tue ich das immer etwas (nach)lässiger. Eben weil es dort wurscht ist. Klar, Wohlfühlen möchte ich mich und meine Schuhe sollten mich auch jeden Tag für lange und weite Wege tragen. Auch sind der Januar oft bitterkalt und der Juli drückend schwül. Das alles gilt es zu berücksichtigen. Mehr aber auch nicht.

Was sich in München chic anfühlt, ist für Berlin too much. Tussig. Overstyled. Hier trage ich lieber Leopardenjeggins, Pyhtonflats, ein simples Shirt, Lederjacke und Sommerbeanie auf schrägem, geflochtenen Zopf. Oder Sommerstiefel mit Seidenshorts und grüner Paisleybluse. Dazu viel Hippieschmuck und einen Jutebeutel. Stelle man sich das mal im Hofgarten oder einer angesagten Bar in München vor?

Ich habe eben keinen Stil. Ich bin stillos (wie sich das anhört :-) ). Oder besser gesagt, modisch nicht festgelegt. Die Mode ist unglaublich vielfältig, bunt und international. Die Möglichkeiten zahllos, insbesondere dank Internet.  Meine Anforderungen groß. Anlässe und Stimmungen wechseln dazu noch täglich. Warum also soll ich mich festlegen? Warum auf eine Handvoll Marken oder Farben einschränken? Oder mir gar Trends vorschreiben lassen? Anything goes – vorausgesetzt es passt zu mir und meiner Physiognomie.

Vorgestern saß ich mit einer Flasche Bier, den Füssen im Sand und Berlin mässig lockerem Outfit am Spreeufer und schaute Paaren zu, die für 5,- eine Stunde einen Auffrischungskurs in Langsamen Walzer absolvierten. Anderntags trug  ich grüne Slimpants samt Highheels und Seidenblazer mit Graffiti zu einer Fashionshow. Und tagsdarauf den stadttauglichen Safarilook. Für München, meine Stadt. Denn dorthin geht es jetzt zurück.

[SONJA]