Einmal Hippie, immer Hippie?

Einmal Hippie, immer Hippie?

Die Woche Urlaub, die ich mit meiner Mum auf Ibiza verbracht habe, war schön und ist bei toller Unterkunft und frühsommerlichen Wetter, schnell vergangen. Wobei ich schon anmerken muss, dass das nach 30 Jahren Reisepause miteinander, auch ab und zu gewöhnungsbedürftig war. Wie sind die Freizeitgewohnheiten? Wie sollen die Tage verbracht werden? Wann steht man auf, geht zu Bett? Mag man es lieber ruhig oder aktiv? Ehrlicherweise kennt man die Wünsche und Urlaubsanforderungen einfach nicht (mehr).

Ich, für meinen Teil, bevorzuge eine schöne Mischung aus Aktion und Faulheit. Sich mal treiben lassen. Wenig vorplanen. Mit einem Drink stundenlang am Meer sitzen. Endlich mal wieder ein tolles Buch in einem Rutsch durchlesen. Etwas Schönes einkaufen. Die Region kennen lernen und in Ruhe speisen.

Meine Mum, wie festzustellen war, kann nicht still sitzen oder gepflegt eine Lektüre im Liegestuhl geniessen. Sie muss immer rumlaufen, den Strand auf und ab – egal wie klein oder im Winterschlaf er noch sein mag. Und sie isst ständig. Spatzenportionen zwar, aber diese in sehr kurzen Abständen. Das (und vieles andere) unterscheidet uns. Stört aber nicht weiter.

In einem Punkt muss unsere Abstimmung aber definitiv besser werden: beim Shoppen! Wir waren im Rahmen einer Tagestour über die Insel, auch auf dem Hippy Markt Las Dalias (die Ibizenker schreiben ihn tatsächlich mit “y”). Eine Stunde Zeit war dafür leider nur vorgesehen, was wir aber zu spät erfahren hatten. So war ich schon etwas angefressen, denn icn wusste, wie cool der Markt ist und wie viel Spaß mir der Besuch dort vor fünf Jahren gemacht hat. Du brauchst Muße und genug Bares, um ihn zu geniessen. Und ein Hippie-Herz. Denn oftmals sind das Produkte, die man so nicht bei uns sieht bzw. nicht kaufen kann.

Alles, was es dort zu kaufen gibt, ist bunt, sommerlich und schrill. Teilweise etwas alternativ oder schlampig anmutend. Es braucht auf jeden Fall eine selektive Wahrnehmung, zwischen all dem Schund (der sicher chinesischen Ursprungs ist), um die Perlen zu entdecken. Schmuck, Taschen, Sommersachen – gestaltet und gefertigt von Aussteigern oder Einheimischen. Ein bißchen wie in Berlin, mit seiner ganz eigenen Modeszene: erlaubt ist, was gefällt. Feil geboten von Menschen, die für ihre eigenen Kreationen perfekte Werbeträger sind. Exzessiv, exaltiert, mit viel Vergangenheit im Gesicht ( in Form von Lebenslinien) und am Körper (verziert mit zahllosen Tattoos, Piercings, dekoriert mit wilden Prints und Stoffen).

Ich mag das. Alle scheinen sich gegenseitig zu tolerieren, wie sie sind. Disziplin und Reglements stehen genauso wenig im Fokus wie Labels und Statussymbole. Es gibt keinen Schönheitswahn. Kein Leistungsdruck ist zu spüren.

Nirgendwo auf der Insel, die in der Vorsaison für mich einen besonderen Reiz hat. Das Partyvolk ist noch nicht da. Die Promis (Fußballer, Stars & Sternchen, die dann die Beach Clubs bevölkern und sich für zahllose Paparazzi in Pose werfen. Den Body mühsam über die Wintermonate in Form gebracht, Extensions geschweisst und Botox gespritzt, die Bräunungsdusche frequentiert und die neuesten Fummel geshoppt) kommen ebenso erst Juli/August.

Die Bars, Boutiquen und Restaurants überall auf Ibiza erwachen jetzt im Mai erst langsam zum Leben. Alle Menschen, die in diesem Bereichen ihr Geld verdienen, sind noch frisch und freundlich.

Ich werde wieder kommen. Das ist sicher. Am liebsten bald. Mit meiner Ma, meinem Süssen, Freundinnen oder alleine. Alles ist vorstellbar. Vielleicht noch diesen Herbst. Ich guck gleich mal nach Hotels und Flügen und genieße Vorfreude auf meinen nächsten Ibiza-Trip. Dann mit mehr Bargeld für den geliebten Hippymarkt.

[SONJA]