Limitierte Editionen und Einzelstücke

Limitierte Editionen und Einzelstücke

Wer legt eigentlich den Wert und den Preis von Produkten fest? Klar, es gibt hinter jedem Artikel eine Kalkulation, einem Mix aus Herstellungskosten, Material, Personal und dem Aufschlag für den Gewinn. Das kenn ich aus der Mode und das wird bei Möbeln ähnlich sein. Wobei mir mal jemand gesagt hat, dass zum Beispiel die Gewinnspanne bei Matratzen horrend ist. Um ein Vielfaches höher als bei Schuhen, Schmuck & Co.

An einem faulen Sonntag, es ist verhalten Frühling draußen, wälze ich mal wieder Magazine. Aufgrund einer Kooperation mit Burda, die ich eingestielt habe, ist dieses Mal auch die Elle Décoration darunter. Ein schönes Heft. Oder soll ich sagen, ein Bilderbuch oder Luxuskatalog. Das trifft es eher. Ich sehe zahllose Werbeanzeigen mit Sofas und Badeinrichtungen verschiedenster Anbieter, vornehmlich der üblichen Verdächtigen aus Italien. Und, sie sehen alle gleich aus. Kein markentypisches Design, kein Angebot für unterschiedliche Wohntypen oder Behausungen. Und sicher nur für dicke Geldbeutel und Lofts oder Villen ab 200qm Wohnfläche. Denn wer sonst hat so immens Platz, den man braucht, damit die feilgebotenen Dinge reinpassen oder gar wirken.

Da sitze ich also in meiner 70qm Bude und bewundere so unglaublich “angesagte” Teile wie einem weißen Beistelltisch mit X-Beinen, der die Anmutung hat, als käme er direkt aus einer Filiale des blaugelben, schwedischen Möbelhauses. Mit dem Unterschied, dass dieser von handbemalten Schmetterlingen geziert wird und darum über Euro 10.000,- kosten soll.

10.000,-  für einen x-beinigen Schmetterlings-Beistelltisch! Der Bildunterschrift ist noch nicht einmal zu entnehmen, wer der Künstler ist (oder war). Das könnte ja bei Kennern eventuell noch ein Kaufargument sein und den Tisch zu einem Sammlerstück machen.

Ein paar Seiten weiter, bekommt die designorientierte Leserin gezeigt, was sie im Garten tragen soll. Ob zur Gartenarbeit oder beim Müssiggang durch eben diesen, steht da nicht. Aber eine Seidenbluse für 500,-, ein handgearbeiteter Sonnenhut und eine teure Sonnenbrille müssen es schon sein. Alles andere wäre ja mal gar nicht standesgemäß.

Und für den Fall, dass frau sich auf ihrem Anwesen verirrt, wird eine tragbare Solarlampe (in Nachtwächteroptik) empfohlen. Für schlappe Euro 2.300,-! Dafür ist sie von Louis Vuitton. Selbstverständlich limitiert. Eine Massenproduktion dürfte hier auch aus diversen Gründen ökonomisch nicht empfehlenswert sein.

Wer kauft so etwas? Russische Oligarchen? Hollywoodsternchen? Familienangehörige aus den Emiraten und Sultanaten? Lesen die die deutsche Ausgabe der Elle Déco?

Man kennt derlei Übertreibungen aus Modemagazinen, wo an der Zielgruppe vorbei, zum Teil sogenannte ” must-haves” für Unsummen präsentiert werden. Wobei ich eher verstehen kann, den jungen Leserinnen Traditionsmarken wie Tiffany, Cartier oder Rolex nahezulegen und Begehrlichkeiten für Uhren-Dauerbrenner und zeitlose Diamantringe zu wecken. Einmal gekauft, besitzt man diese normalerweise ein Leben lang.

Ob der Schmetterlingstisch auch so lange hält? Wann verabschiedet sich die Kunst darauf? Verträgt er eine regelmässige Reinigungsprozedur? Darf man auf ihm gar seine Teetasse abstellen? Und was ist mit der Nachtwächterlampe? Können wir diese unseren Kindern vererben (teuer genug ist sie ja)? Freuen die sich dann darüber?

Ihr seht schon, ich verstehe es nicht. Liebe ich doch schöne Dinge aller Art. Allerdings kenne ich niemanden, der Tisch oder Lampe kaufen würde (teilweise sicher auch nicht könnte, mich eingeschlossen). Für mich besteht die Kunst darin, mit geringeren Mitteln, viel aus sich und dem Zuhause zu holen. Mit raffinierten Kniffen und Hinguckern, die eigene Persönlichkeit zu unterstreichen und die eigenen vier Wände so schön wie möglich erstrahlen zu lassen. Oft reichen da schon neue Kissenbezüge und frische Blumen. Und statt der komischen Luxuslampe, empfehle ich Kerzen!

[SONJA]