Bonusmaterial

Bonusmaterial

Wir alle kennen Bonusmaterial zum Beispiel von DVDs. Da gibt es neben dem eigentlichen Film noch ein Making of oder Interviews mit den Schauspielern. Ähnliches gibt es auch beim Shoppen. Das 3. Top bekommt man gratis dazu, oder so. Auch Abonnenten von Zeitschriften (im Bereich Kochen & Backen oder für Teens) werden gerne mit Bonusmaterial in Form von Goodies belohnt. Das können Backförmchen sein, Modeschmuck oder Kosmetik.

Aber kennt ihr Bonusmaterial im Kontext mit Fitness? Ja, klar, könnt ihr jetzt sagen: Ich kaufe Eiweißpulver und bekomme einen Trinkbecher dazu. Oder ich bestelle mir eine Yogamatte und bekomme eine kostenlose Tragetasche als Dankeschön.

Alles richtig. Ich habe das Wort allerdings kürzlich in ganz anderem Zusammenhang gehört.

Es war Samstagmorgen in der Pilatesstunde, die ich immer dann besuche, wenn mein Liebster irgendwo in Deutschland oder Österreich arbeitet (das ist dann immer übers Wochenende). Wenn dem so ist, bewohne ich zumindest mal wieder meine kuschelige Dachwohnung, die mich sonst viel zu selten zu Gesicht bekommt. Wir sind zusammen ausschließlich in seiner Wohnung. Haben wir sie doch ein Dreivierteljahr gemeinsam ausgebaut, gestaltet und eingerichtet. Noch dazu, habe ich von dort nur drei Minuten zum Büro.

Ein Wochenende bin ich also wieder mal Strohwitwe. Das Wetter ist bescheiden. Den Freitagabend habe ich mir darum mit ausgiebigem Shopping vertrieben. Es gab tolle Musterteile zu Kaufen. Beim Anprobieren und entscheiden, habe ich mir unendlich viel Zeit gelassen. Das hätte kein Partner ausgehalten. Dann die Schätze heimgebracht und mit bereits vorhandenen Teilen kombiniert. In meinem Schrank ist ja angenehm viel Platz. Habe ich doch sozusagen zwei Wohnsitze und mich peu à peu bei meinem Süßen ausgebreitet. Geschätzte 30% an Schuhen, Handtaschen, Schals, Schmuck und Klamotten, sind bereits bei ihm.

Nicht immer genau, was ich in dem Moment haben möchte (kennt ihr das aus dem Urlaub? So nach dem Motto: hätte ich jetzt das blaue Kleid zur Hand, es würde perfekt zu den Korkwedges passen, die sich im Koffer befinden. So geht es mir bestimmt einmal pro Woche. Und da hab ich dann kein Bonusmaterial zur Hand, sondern muss fantasievoll umdisponieren und neu kombinieren. Manches Mal erstaunlich kreativ und erfolgreich, andere Male so gar nicht. Aber ich habe eben auch mehr Platz in meiner ursprünglichen Wohnung.

Und Neuanschaffungen sind überhaupt kein Problem. Höchstens ab und an fürs Budget. Aber für mich ist das Leben zu kurz, um es nicht der Mode und anderen Leidenschaften zu widmen. Das war schon immer so. Ich habe immer gewusst, was ich tragen wollte. Mein Opa – Gott hab ihn selig – hat mit mir bereits im Kleinkindalter nicht unerheblich Zeit vor und in Schuhgeschäften verbringen dürfen (respektive müssen). Seine Großzügigkeit und mein vehementes Quengeln, haben regelmässig für Bonusmaterial in Form von neuen Schuhen gesorgt. Heute muss ich selber dafür sorgen. Es gibt dafür keinen Opa mehr. Aber Spaß macht es immer noch genauso. Mein bislang unerfüllter Traum hierzu, ist ein Zimmer nur für meine Schätze, wie in einem Showroom oder einer gut sortierten Boutique.

Aber zurück in die Pilatesstunde. Voll, wie immer am Samstagvormittag. Mit allzu viel Unruhe, was bei dieser Sportart sehr unangenehm ist und mit einer Trainerin, die sehr genau, strenge und gewissenhafte Anweisungen gibt. Das soll aber auch so sein. Meiner Meinung nach, wird Pilates von vielen Teilnehmern unterschätzt und gerne nur schludrig ausgeführt. Da geht es um exakte Ausführungen kombiniert mit perfekter Atmung und Körperspannung.

Um alle Übungen so gut als möglich (da hat selbstverständlich jeder seine eigenen Grenzen) auszuführen, muss der Trainer alles genau beschreiben und vormachen. Im Stand ist die Grundhaltung z.B. Hüftgelenk breit. Man öffnet also die Beine so weit, wie die Hüftknochen auseinander stehen. Was hier die vornehmlich weiblichen Studiogäste als hüftbreit empfinden, entspricht selten der Wahrheit.

Meist stehen sie zu breitbeinig da. Das liegt am Bonusmaterial. So sagte es zumindest erstmalig unsere Trainerin. Bonusmaterial ist somit alles, das sich so um die Hüftknochen herum angesammelt hat. Bei dieser Bemerkung musste ich herzlich lachen. Atmung und Powerhouse hatten kurz Pause.

Sicher ist, dass ich anderes Bonusmaterial bevorzuge. Nicht umsonst bin ich bekennende Fitnessmaus, seit zweieinhalb Jahrzehnten.

Workout till I die!

[SONJA]