Etagenklo, Berge & Landschulheimidylle

Etagenklo, Berge & Landschulheimidylle

Ich bin mal wieder fürs Wochenende verreist. Mein Liebster muss arbeiten und ich möchte nicht allein in München bleiben. So fahre ich zu einem erneuten Yoga Retreat. Dieses Mal in die Kitzbühler Alpen. 8h Yoga und 2h Mediation (diese finden ohne mich statt, da ich programmatisches Ruhe geben gar nicht mag).

Ich reise allein, vorausschauend bereits mit Winterreifen, schließlich liegt Mittersill auf ca. 1200m und es ist Schnee avisiert. In unserer Bleibe wird geschlafen, gegessen und Yoga geübt. Und… gemeinsam geduscht, Zähne geputzt und die Notdurft verrichtet. Vor fremden Blicken kann man sich dabei durch einen Duschvorhang bzw. eine Toilettentür schützen, unter der man aber locker einen Jack Russell – erhobenen Hauptes – durchlaufen lassen könnte. Reduzierte Körperpflege und Darmträgheit sind die Vorboten für die nächsten zwei Tage.

Das nennt man Abenteuer, Downshifting oder Back to Landschulheim. Niemand hat mich dazu gezwungen. Stattdessen hätte ich das trübe Wochenende auch mit Bergen von Modemagazinen, Kessler Rosésekt, dutzenden Tiegelchen, schöner Musik und Duftkerzen verbringen können.

Aber nein… ich bete lieber, dass ich Ohropax dabei habe und den Gemeinschaftsbalkon keiner betritt. Denn meine Balkontür hat leider weder einen blickdichten Vorhang noch ein Rollo. Die Wände hier scheinen dazu noch aus Pergament, nicht so durchsichtig aber so dünn und Geräusch durchlässig. Ich höre meine Zimmergenossen rechts, links und über mir, wie auch die gesellige Baggage im Aufenthaltsraum unter mir.

OMMMM… ich finde meine Ohropax. Sind schon ziemlich mitgenommen, aber dennoch, danke dafür, liebes Universum und schlafe gut. Bis Morgen.

Wenigstens das Yoga ist toll!

Yoga beginnt ja leidet immer sehr früh, zumindest für mein Empfinden. Und bei Pergamentwänden und Etagenklo, kann man sich die Qualität der Nachtruhe ja vorstellen. Meditation schwänze ich, im Gegensatz zu fast allen anderen. So kann ich wenigstens den Gemeinschaftswaschraum zur morgendlichen Katzenwäsche alleine nutzen. Dann zwei schöne Stunden Yoga, die nach anfänglicher Steifheit, viel Spaß machen.

Darauf folgt ein vegetarisches Frühstück, dass weitaus besser ist als das gestrige, ebenfalls vegetarische Abendessen (es gab geschmacklosen grauen Brokkoli, Salat ohne Geschmack, frische Pfifferlinge mit einem Hauch Soße sowie Kartoffelgratin). Das Frückstück bietet gute Brotsorten, diversen Käse, sehr leckeres Früchtebrot, Obst und lauwarmen Griesbrei. Dazu Kräutertee oder Filterkaffee.

Danach hat jeder bis zum späten Nachmittag frei. Das Wetter lädt allerdings überhaupt nicht zum Rausgehen ein und die avisierte Sauna erinnert mich an die im Reihenhauskeller eines Schulfreunds (in den frühen Achtzigern). Damals fand ichs toll. Heute lege ich mich lieber auf mein Knarzebett, auf das knallpinke Laken, die lila Fleecedecke und das wildgemusterte Bettzeug (türkis-grau, schööön). Ich lese und döse, an Schlafen ist wieder nicht zu denken. Vorher habe ich sogar noch die Gunst der Stunde genutzt und mich in eine der freien Duschen begeben. Ich dufte also beim dösen…

Draußen schneit es. Vor meinem Balkon sitzt eine nasse, kompakte, grau-schwarze Tigerkatze und will rein zum Schmusen. Da lasse ich mich nicht lange bitten. Sie verhält sich, als wären die letzten Streicheleinheiten Jahre her. Dabei vergesse ich ganz die Yogastunde. Eine aufmerksame Yogini, neben der ich liege, kommt micht holen.

Dieses Mal mache ich die ganze Session samt Yoga Nidra (Reise durch den Körper mit gleichzeitigem völligen Stillliegen. 30min lang!) mit. Das verkürzt die Zeit bis zum Abendessen. Das riecht heute Indisch, was toll wäre. Fleisch und Schinken (und Leberwurstbreze) vermisse ich schon. Werde ich wohl Morgen auf der Rückfahrt nach München, leider einen Abstecher in eine berühmte Burgerbraterei machen müssen. Schande über mein Haupt!

Zum Abendessen gibt es ayurvedische Kost. Selbstverständlich vegetarisch. Leicht scharf und sehr lecker. Dazu gönnt sich mein Tisch einen Burgenländischen Zweigelt. Geht doch!

Die zweite Nacht ist wieder unruhig, weil hellhörig. Immerhin aber eine Stunde länger (durch die Zeitumstellung auf Winter).

Der letzte von vier Yogablöcken ist wiedergroßartig. Sanft startend und doch angenehm fordernd. Draußen hat der Winter über Nacht Einzug gehalten. 10-12cm Neuschnee sind es sicher. Wie gut, dass ich ausnahmsweise auf meine Ma gehört habe und bereits mit Winterreifen fahre. Die kann ich für die Rückfahrt nach München sehr gut brauchen. Vorher gibt es noch ein reichhaltiges Frühstück und intensives Freischaufeln meines Mini.

Nach zwei Stunden komme ich daheim an und schiebe mir erst einmal eine TK-Schinkenpizza in den Ofen. Ein paar faule Stündchen auf der Couch (8h Yoga in knapp zwei Tagen spürt man dann doch). Abends gehts noch ins Konzert von Mic Donet. Und der kann ja mal wirklich toll singen.

Ich freu mich!

[SONJA]