Luftmatratzengespräche

Luftmatratzengespräche

Urlaub. Endlich. 10 Tage nichts tun auf einer griechischen Insel. Die letzten acht Monate waren geprägt vom Alltag plus einer zeitintensiven Baustelle, namens neues Zuhause meines Partners. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel es zu tun und zu entscheiden gibt, lässt man eine Dachwohnung mit knapp 100 qm neu entstehen. Da haben wir diesen Urlaub redlich verdient.

Es ist unser vierter gemeinsamer Urlaub, sieht man mal von Kurztrips in Skigebiete oder an den Gardasee ab. Wir sind im urlaubsmässigen Gleichklang: kein Stress, keine Termine, kein ausgedehntes Signtseeing-Programm oder gar Frühsport. Wir lassen es uns rundum gut gehen und verbringen täglich viel Zeit auf unserer qietschorangen Luftmatratze.

Und da passiert es. Mehrmals!

Wir paddeln auf dem Meer. Eine halbe Stunde, eine ganze Stunde (selbstverständlich mit wasserfestem, hohen Sonnenschutz versehen) oder länger. In dieser Zeit haben wir die besten Gespräche… Und, liebe Damen unter euch, wie erfreulich ist das denn! Nicht forcierte aber dennoch wichtige Themen kommen auf den Tisch bzw. die Luftmatratze. Einiges, das kontrovers diskutiert werden muss. Einiges, das schon länger lauerte. Alles mit Wert und Substanz. Das verbindet, hilft verstehen und ist ganz wichtig. Zumindest für mein Verständnis einer gleichberechtigten Beziehung mit Potential für länger (oder noch länger)… Ich freue mich darüber und kündige meinem Herzbuben an, künftig regelmässig Zeit mit ihm auf Luftmatratzen verbringen zu wollen. So ist er mir ganz nah und ich lerne ihn in jedem Urlaub noch etwas besser kennen.

Apropos Urlaub: auf dem Weg nach Korfu, las ich im Flieger davon, dass es wohl eine höhere Kunst sei, sich während des Urlaubes zu vertragen, als im Alltag daheim. Hätte man zuhause doch viel mehr Gelegenheit, durch Job, Freundeskreis, Hobbies, u.a., die Zeit OHNE den anderen zu verbringen. Während des Aufenthalts in einem Urlaubshotel wäre das denkbar schwieriger. Man (oder in dem Fall frau, es war ein typisches Frauenmagazin) solle sich ergo darauf seelisch und gedanklich einstellen, Stress im Urlaub zu haben. Dem entgegen wirken könne man nur, in dem man sich täglich Beschäftigung und Auszeiten vom Partner nähme.

Boah, Wahnsinn! Du fliegst in den Urlaub und musst so etwas lesen. Bullshit!

Jeder tut, was er möchte. Im Urlaub, wie im Alltag. Und ist es die passende Paarung stimmen die jeweiligen Wünsche überein. Keiner muss sich also Auszeit vom anderen nehmen, nur um die 1-2 Wochen Urlaub schadlos zu überstehen.

Es stellt sich die Frage, wie frustriert der Verfasser oder die Verfasserin gewesen sein muss. Ich weiss nur noch, dass es ein Wesen der Gattung Psycho(loge) war. Und was man davon oftmals halten muss, ist ja hinlänglich bekannt.

[SONJA]