Mein Name ist Schauspieler

Mein Name ist Schauspieler

So zumindest hatte ich einen Typen verstanden, der mir kurz vor Beginn der Pilatesstunden vor den PCs begegnete. Das ist eine tolle Einrichtung im Body & Soul, wo man schnell mal noch ne Mail absetzen kann, bevor man sich seiner Fitness widmet.

Nichts böses ahnend, setzte ich mich also an den freien Rechner und hatte auch sofort die volle Aufmerksamkeit des mir unbekannten Studiobesuchers. Florian Schauspieler sagte er zu mir, gab mir seine Hand, kam sehr nahe, mir in die Augen zu schauen und nahm gerade noch seine WESC-Kopfhörer ab. Könnte ich doch auch etwas zu ihm sagen wollen.

Schauspieler sei er, betonte er, als ich mich ebenfalls förmlich mit Vor- und Nachnamen vorstellte. Schauspieler, der heute noch einen Nachtdreh hat und dachte, davor noch kurz was für seine Fitness zu tun. Betonung auf kurz, denn er wollte die Stunde nach 20 min schon verlassen, um O-Ton, ‘noch in der Sauna zu chillen’.

Er erzählte mir das alles und noch mehr, da er annahm, ich sei die Pilatestrainerin. Das an sich kann ich ja als Kompliment verbuchen.

In der Stunde platzierte er sich exakt hinter mir, dass er nur mich, definitiv aber nicht sehen konnte. Ich trat etwas zur Seite, da MICH das störte.

Auch der Trainerin und allen Teilnehmern erzählte er, WER er war. Was für einen wichtigen Dreh er heute noch hatte, könne er allerdings leider nicht sagen. Das wäre Vertragsbruch. Irgendwann würde man die Serie aber dann im TV bestaunen können und er brächte nächstes Mal auch Autogrammkarten mit.

Beim nächsten Mal? Oh je! So steif, unfit und unkoordiniert er war, dürfte das für seine Physis schwierig werden. Er konnte wirklich keine Übung nachmachen. Nach ner Viertelstunde kam ein spitzer Schrei von ihm, sein Körper wäre sein Kapital und bei Pilates ginge dieser sicher kaputt. Die perfekt trainierte Pilateslehrerin ging zu ihm, mittlerweile lachend, nachdem die anfängliche Konsterniertheit gewichen war, und sagte nur: ‘Glaub mir, mein Körper ist auch mein Kapital’.

Nach 25min war er weg. Hatte doch tatsächlich noch 5min Zugabe gegeben. Seinem Körper und unserem Amüsement.

Nach diesem Auftritt war es schwer, sich endlich auf das Power House zu konzentrieren. Denn solche Exemplare begegnen einem selten. Einerseits Gott sei Dank, andrerseits schade, war es doch äußerst erheiternd.

[SONJA]