Sign of Life Resort, Sri Lanka – reloaded

Sign of Life Resort, Sri Lanka – reloaded

Ich Sitze in einem überfüllten Wartesaal am Gate in Muscat und warte auf meinen Weiterflug nach Colombo. Im Sign of Life Resort, in Sri Lanka, werde ich zum zweiten Mal eine 14-tägige Ayurvedakur machen. 15 Monate ist es her, dass ich dort war. Dieses Mal sind wir alle Münchner, mitsamt unserer Yogalehrerin im Gepäck. Wenn es dann noch weniger regnet, als beim letzten Mal, kann es nur gut werden.

Die Vorfreude, mich zwei Wochen nur mit mir zu beschäftigen, ist gross. Ich halte viel davon, das komplette System regelmäßig zu reinigen und von allem Unrat zu befreien. Viel Schlaf, viel Yoga, nur absolut gesunde Ernährung, etwas Sonne und drei gute Bücher. Was soll da schief gehen? Mein Herzblatt wird halt fehlen. Wie beim letzten mal. Aber der ist halt partout nicht zu so etwas zu bewegen.

Ca. vier Stunden fliege ich jetzt noch. Knapp sechs liegen schon hinter mir. Dieses Mal mit Oman Air, was sich als gute Wahl herausstellt. Beim Flug nach Muscat hatte ich keinen Nachbarn und der Service ist ausgesprochen gut. Ebenso wie das on Board-Kinoprogramm mit eigenem Bildschirm und Fernbedienung. Da können sich unsere Airlines eine Scheibe abschneiden. Und ich fliege selbstredend Economy.

Nun ja, die 2. Flugstrecke ist dann leider doch drei Klassen schlechter. Kein DVD-Programm im Vordersitz, keine Ergonomie und rundherum nur Singhalesen, die zu den Neujahrsfeierlichkeiten heimfliegen. Aber auch dieser Trip hat mal ein Ende.

In Colombo am Gepäckband finden sich dann alle Sign of Life-Resort Gäste zusammen. Vorher hatten wir keinen Kontakt, lediglich erahnt, wer noch dazu gehören könnte.

Nach gut zwei Stunden extrem holpriger Fahrt, sind wir endlich da. Dieses Mal bei bestem Wetter. Verändert hat sich wenig. Ein neuer Therapieraum ist dazu gekommen. Ein paar mehr Bilder hängen an der Wand. Die Belegschaft ist nahezu dieselbe.

Wir starten mit Mittagessen, gefolgt von einer Begrüssungsmassage. Das tut gut. Waren wir doch 17 h unterwegs. Und haben dabei eine Nacht quasi durch gemacht.

Die nächsten Tage verlaufen vertraut. Mit dem Unterschied, dass das Wetter viel schöner ist und ich bei weitem nicht die Rückenbeschwerden vom letzten Mal habe. Dieses Mal heisst es für mich nur runter zu kommen, den Kopf frei zu machen.

Das Essen ist wieder toll. Ebenso die Treatments.

Die Charaktere der elf Gruppenmitglieder ist bunt gemischt und es gilt heraus zu finden, wer mit wem kann. Aber das ist normal bei sovielen reifen, etablierten Personen. Man muss ja nicht gleich jeden in sein Herz schliessen.

Ich jedenfalls fühle mich wohl. Geniesse 1-2 Yogaeinheiten, 2,5 h Behandlungen und die verbleibende Zeit, im Schatten von Palmen zu lesen. Die Tage vergehen schnell. Die Erholung macht sich mehr und mehr breit. Wenn da nur nicht das schreckliche Vermissen wäre. Wie schön, wenn mein Herzblatt mich eines Tages begleitet. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Mittlerweile sind zwei Drittel des Aufenthalts bereits vergangen. Alle geniessen mehr oder minder diese Kur. Das Wetter bleibt gut. Bis auf den ein oder anderen kräftigen Schauer am Abend. In diese Ruhe platzt fünf Tage vor Ende, eine Tsunamiwarnung. Mitten in der Fussreflexzonenmassage, im Strandhäuschen, Öl triefend, erfahre ich davon.

Jetzt heisst es in Windeseile die nötigsten Sachen packen. Weiss man doch gar nicht, wann man wieder ins Hotel kommt. Panik macht sich breit. Davon lasse ich mich leider anstecken. So schnappe ich mir meine Tasche, gebe geistesgegenwärtig meinen Pass und mein Flugticket hinein. Dann lässt meine Aufmerksamkeit nach. Ich nehme Zahnbürste, Rasierer (!) und ein Buch mit. Denke aber nicht an Bargeld und Kreditkarten. Hätte ich also im Ernstfall keinen Zahnbelag, zarte Haut und was zu Lesen.

Interessant zu sehen, wie unterschiedlich sich Menschen in Krisensituationen verhalten. Klar, lustig ist das nicht. Aber was hilft es.

Warten wir also ab und verfolgen die Nachrichten. Auch kommuniziert jeder mit seinen Lieben zuhause. Untergebracht sind wir im Noch unfertigen Neubau des Sign of Life Resorts, ca 10 min. weg von der Küste. Wir haben Trinkwasser, fliessend Wasser und zwei Kästen Bier. Keinen interessiert heute, dass man während der Ayurvedakur keinen Alkohol trinkt. Leider haben wir keine Chips oder Nüsse dazu.

Nach drei Stunden Warten und Bangen, ist der Spuk vorbei. Die Tsunamiwarnung wird aufgehoben. Wir können zurückkehren in unser Resort. Ich muss nicht erwähnen, wie gross die Erleichterung ist. Ein kleines Misstrauen was Nachbeben oder erneute Evakuierung betrifft, begleitet uns.
Auf den Schreck verlangen wir einstimmig nach Bier. Das aufzutreiben, an so einem Tag, gestaltet sich schwierig. Zum Abendessen bekommen wir es dann aber. 0,7l Lion Lager, ca. 25 Grad warm und stark malzig schmeckend. Aber egal. Das muss jetzt sein.

Die restlichen Tage der Kur verlaufen weitestgehend ruhig. Manchen steckt der Schreck allerdings länger in den Knochen. In der Tsunaminacht kommt auch noch das längste und schlimmste Gewitter, das ich bislang erleben musste. Das Wetter verschlechtert sich. Jetzt regnet es täglich ein paar Stunden. Die Stimmung innerhalb der Gruppe schwankt. Aber das tut sie bei jedem Einzelnen ja auch. Kennt doch jeder, morgens schon mal grundlos schlecht gelaunt zu sein. Ebenso, wie grundlos heiter.

Beim Tsunami-Schrecken ist zu allem anderen auch noch ein Peridot aus meiner Neuerrungenschaft gefallen. Hab ich mir doch einen wunderschönen Gelbgoldring mit einer Blüte aus grünen Peridots gekauft. Wunderschön und besonders. Und eben dieser lässt gleich beim 2. Tragen Federn. Muss also umgehend repariert werden. Das kann allerdings erst nach meiner Abreise passieren. So dass ein anderer Hotelgast ihn mit nach Deutschland bringen wird.

Am letzten Tag darf jeder von uns in einem Meer von Blumen Baden. Ich kenne das vom ersten Mal hier und finde das sehr schön.

Alles in allem war der 2. Aufenthalt hier äußert angenehm. Ob ich das allerdings nochmals in einer doch größeren Gruppe von mir hauptsächlich Unbekannten machen werde, ist ungewiss. Dann lieber alleine oder mit handverlesener Begleitung. Das lässt sich besser koordinieren.

Aber der Ort hier hat ein gutes Karma. Sich trotz ausgeprägter Einfachheit wohl zu fühlen fällt mir leicht. Die Menschen, die hier leben und arbeiten sowie die besondere Lage am einsamen Sandstrand machen es mir aber auch kein bisschen schwer.

Gut möglich, dass ich nächstes Jahr wieder komme.