Gruselkabinett

Gruselkabinett

Ein Freitag. Mit den Mädels. Sind wir doch alle so mit unseren jeweiligen Leben beschäftigt, dass wir uns leider allzu selten sehen. Aber heute hat es geklappt.

Wir starten in einem Sushi-Laden. Gut und bunt gefüllt, was das Publikum angeht. Was wir so ordern, ist alles lecker.

So gestärkt und bester Laune, wechseln wir die Location. Wir stehen auf der Gästeliste eines Partyveranstalters, der im Kölner Raum beliebt und bekannt ist. Jetzt in München! Da wollen wir doch mal schauen, was uns erwartet. Nicht dabei zu sein? Geht gar nicht!

Die Party findet in der Reitschule statt. Draußen ist es mild, so dass deren schöne Terrasse von den Rauchern und den Frischluftfanatikern frequentiert ist.

Wir zahlen den Eintritt von Euro 15,-. Dafür bekommen wir je eine Marke für einen AperolSprizz (Sponsor der Veranstaltung). Die Schlange, diesen in Empfang zu nehmen, ist lang. Der Ausschank besteht wohl aus Aushilfskräften mit hübschen Gesichtern, langen Haaren und ohne Gastro-Erfahrung. Wir warten. Warten. Warten.

Gemixt wird der Aperol mit pappsüssem Cinzano (gehört bestimmt zum Konzern des Sponsors). Serviert wird in kleinen Plastikbechern. Warum auch grösser und ansprechender oder gar lecker? Waren es doch nur 15,- Eintritt pro Nase…

Mit unserem klebrigen Fusel stellen wir vier Grazien uns an einen neuralgischen Punkt. Von hier kann man das Treiben und die Neuankömmlinge gut beobachten.

Schnell fragen wir, was ist passiert? Wo sind die Beauties Münchens? Pfuscht hier etwa eine Konkurrenzveranstaltung rein? Die Hübschen, gut Gekleideten dort, wo wir leider nicht sind? Und der Rest hier?

Es grenzt an ein Gruselkabinett. Was wir sehen müssen ist durchweg mies gekleidet, mit Körpern, Ausdruck und Habitus, dass wir staunen und uns immer wieder fassungslos ansehen. So muss es auf einer Ü40-Party irgendwo im nirgendwo auch zugehen? Schlimmer geht’s nimmer.

Nach zwei Stunden konsternierten Starrens und Lästerns haben wir genug. Die Mixplörre haben wir lange schon irgendwo abgestellt. Das Bier danach hebt die Laune auch nicht mehr. Ebenso wenig die an sich brauchbare Musik.

Wir resignieren. Steigen ins Taxi. Sind um halb eins jeweils schon wieder daheim. Etwas angefressen. Hätte es doch auch ein cooler Abend werden können.

So muss ich speziell fast beleidigt sein, auf dieser Gästeliste gestanden zu haben. Denn zum Club der Übriggebliebenen, oder Fashion Fauxpas, habe ich mich bis dato nicht gezählt.

In zwei Wochen starten wir den nächsten Versuch. Dann sind wir sechs Mädels und gehen ins Heart. Da wissen wir, was uns erwartet. Und das ist gut!

[SONJA]