Baumtraum

Baumtraum

Samstagmorgen, 8h, klamme Finger, die Blase drückt. Ich sitze im Wald. Genauer gesagt, trohne auf 7,5m Höhe in einem 2,5 x 2,5m Holzkonstrukt zwischen Bäumen. Irgendwo im nirgendwo Niedersachens.

Es ist der 65. Geburtstag meines Vaters. Es war auch seine Idee. Seine Frau, meine Halbschwester und zwei Cousinen samt Anhang sind mit von der Partie. Keiner wusste vorher, wohin die Reise führt. Auf der Einladung lediglich ein paar wichtige Eckdaten hinsichtlich empfohlenem Gepäck. Dort waren Empfehlungen wie festes Schuhwerk, Rucksack und Taschenlampe aufgelistet.

Klar war also, dass es kein Wellnesshotel werden würde.

Wir haben grosses Glück mit dem Wetter. Beziehen alle, mehr oder minder begeistert, unsere Gemächer. Meines heisst Baumtraum, winzig aber auch irgendwie süss. Die Toilette ist nur durch eine Hängebrücke mit meinem ‘Haus’ verbunden. Fliessend Wasser gibt es keines. Lediglich ein 10 Liter Kannister hängt unten, den man anzapfen kann.

Liebe Beauties, die ihr gesteigerten Wert auf Optik, Styling und Hygiene legt: bleibt diesem Ort bloss fern!

Duschen fällt also aus. Gesicht waschen und anderes, ebenfalls. Wie gut, dass es Abschminktücher gibt. Ich koche also Wasser ab, benetze meine Hightech-Zahnbürste und lasse sie 3min die Stille des Waldes irritieren. Dann geht’s warm verpackt ins Bett. Ich schlafe wie ein Stein. Die Luft hier ist natürlich sensationell. Ein halbes Dutzend Nachtfalter hat mir Gesellschaft geleistet. Wie gut, dass die Viecher Ruhe geben, sobald das Licht ausgeht.

Mal sehen, was Tag 2 bringt. Es ist noch sehr frisch. Die Sonne hat zu wenig Kraft. Trotzdem nehmen wir unser Frühstück draussen ein. Alle zusammen.

Dann packen wir unsere sieben Sachen und fahren in den Wildpark. Dort gibt es diverses Wild, Wölfe und Lüchse zu sehen. Schön, dass alle Tiere über Platz verfügen und das Gefühl vermitteln, sich dort wohl zu fühlen. Den Rest des Tages besuchen wir eine Keramikwerkstatt, Streifen durch ein Kaff namens Holzminden, essen Eis auf dem dortigen Marktplatz.

Die 2. Nacht verläuft wieder ruhig, ohne besondere Vorkommnisse. Das Frühstück nehmen wir ein weiteres Mal draussen ein. Mit Klammen Fingern, eingehüllt in Decken, warten wir, bis die Sonne endlich gegen halb zehn durch die Baumspitzen auf unseren Frühstückstisch scheint. Danach brechen wir auf. Alle zurück in ihre Heimat. Wir sehen uns bereits in knapp zwei Monaten wieder. Dann wird geheiratet in Eichenzell.

Es war schön, die zwei Tage im Baumhaus. Das Wetter war uns wohl gesonnen. Die mangelnde Körperhygiene hat nicht gestört. Wobei ich ganz sicher daheim erst einmal ausgiebig duschen werde.

Danke meinem Dad für die aussergewöhnliche Idee, mal wieder die Familie ein Wochenende zusammen zu haben. Und für jeden, der den Weg nicht scheut, auf Platz und Komfort auch mal verzichten kann, hier waren wir: www.baumhaushotel-solling.de.

[SONJA]