Drei Tage Berlin

Drei Tage Berlin

…….Es ist wieder Showtime in Berlin. Premium, Bread & Butter und Fashionweek laden an die Spree. Wo es zuletzt immer bitterkalt im Januar war, regnet es nun in einem fort. Kunden besuchen, Trends bestaunen, Modenschauen beiwohnen und ‘Schnittchen und Champagner’ geniessen, stehen auf dem Programm. Dazu noch ‘People Watching’. Klar! Wo, wenn nicht hier.

Trends kann ich allerdings bei den Messebesuchern nicht ausmachen.

An den Messeständen viel Buntes. Fröhliche Prints und Farben, die Selbst vor Chinos und Jenas nicht halt machen. Zahllose Anbieter von Tüchern und Armbändern, die alle irgendwie egal aussehen… Da frag ich mich, wo hierfür ein Markt sein soll bzw. wo die allseits propagierte Individualität, der Mut zum Fashion Statement steckt. Nach Mode-Highlights, wirklich Neuem muss man lange suchen. Wollen doch alle ein nennenswertes Stück vom Umsatzkuchen. Da kann man als Hersteller scheinbar nicht innovativ sein und andere Wege gehen.

Ich allerdings bevorzuge Dinge mit Geschichte oder zumindest mit einem stimmigen Konzept und leidenschaftlichen Machern. Mich begeistern tolle Lookbooks, witzige Claims, neue Farbkombinationen und Motive. Alles eben, was Emotion vermittelt und nicht austauschbar ist.

Nicht weniger ist für mich mehr sondern einzigartiges ist mehr. Kleine NischenBrands mit greifbaren Gründern, mit dem Wunsch nach Achtsamkeit für Rohstoffe und Herstellung. Mit dem Wunsch etwas zu Schaffen, das nicht einfach nur Produkt Nr. 127 in einer endlosen Reihe beliebiger, vergleichbarer Produkte ist.

Solche Kreationen können nicht billig sein. Und ich habe – im Rahmen meiner finanziellen Möglichkeiten – Moral und Anspruch, ebensolches zu unterstützen. Fühle ich mich doch auch gut dabei und sehe – handelt es sich um Mode und Accessoires – auch noch anders aus. Eben nicht wie ein weiblicher Grünwald-Klon oder eine Ugg-Boots-Steppjacken-Skinnyjeans-Züchtung samt Luxustasche.

Da bin ich lieber wandelbar, ein bisschen Paradiesvogel und Trüffelschwein. Stets auf der Suche nach begehrlichem, mutigem und nachhaltigem Design.

Produkte von My Flowers of Life, Arisitde,  Loup Noir oder Mala & Mad sind solche Marken.

Diese habe ich auf den Messen erstmalig entdeckt und sie haben sofort mein Herz erobert. Von denen wünsche ich mir mehr. Diese gilt es zu unterstützen. Mit solchen Dingen könnten wir dem Einheitsbrei Einhalt gebieten. Inwieweit eben diese wunderschönen Kreationen auch bei den Modeinsidern durchschlagen, weiß ich nicht.

Denn, beobachtet man die Szene, die sich zur Fashionweek fast schon bemüht inszeniert, fragt man sich, warum auch hier – wie beim weiblichen Grünwaldklon – nur die grossen, internatioalen Marken vorherrschen. Die Insignien aus der Maximilianstrasse, der Bond Street oder der 5th Avenue werden ausgeführt.

Warum individuell sein? Und zeigen, das man ein Händchen für Neues hat, BEVOR es auf sich auf den teuersten Einkaufsstrassen dieser Welt etabliert hat?

Wenn die Logomanie selbst vor der Modezunft nicht Halt macht, wer soll denn dann den Nachwuchs fördern? An wem soll man sich orientieren? Und wie sollen dann kleine Manufakturen Überhaut noch bestehen?

Ich wünsche mir für 2012 mehr Modemut, mehr Menschen mit einer emphatischen Haltung. Und ich hoffe, ich kann kleinen, feinen Marken ein bisschen in ihrer Entwicklung zu etablierten Marken verhelfen.

[SONJA]