Toleranz oder Wie es euch gefällt!

Toleranz oder Wie es euch gefällt!

Lange habe ich schon keine Kolumne mehr geschrieben und habe mich selbst gefragt, was dafür der Grund war. Wohl hatte ich die letzten Wochen nichts groß zu beanstanden oder habe mich über etwas oder jemanden groß ärgern müssen.

Ärgern sollte man sich ja eh nicht. Nennen wir es wundern. Denn ich arbeite weiter daran, tolerant zu sein. Verhaltensweisen besser zu verstehen, mir nicht die Themen anderer Leute „wie Schuhe anzuziehen“, mich raus zu halten.

Nobody’s perfect!

Allen wäre allerdings gedient, wenn wir Menschen uns unter einander so behandeln würden, wie wir selbst behandelt werden wollen. Einfach und wirkungsvoll zugleich. Warum ist das schwer? Warum gibt es immer wieder grobe Ausfälle im zwischenmenschlichen Verhalten? Warum fällt es einem Teil unserer Spezies so schwer, ehrlich oder gar empathisch zu sein?

Müssen wir egozentrische, verlogene Mistkäfer sein, um bestehen zu können? Und wer hat den egozentrischen, verlogenen Mistkäfern gesagt, dass das die Verhaltensregeln hier auf Erden sind? Wer weiß, vielleicht sind diese Lebewesen gar nicht für unsere Welt vorgesehen gewesen. Sind viel eher eine Art „Weltraumschrott“ in fleischlicher Hülle.

Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß, ist, dass ich sehr empfindlich reagiere, wenn man mich verletzt oder Menschen, die mir wichtig sind. Und da ist es egal, wer das tut und warum. Dabei kann ich dann auch nicht tolerant sein. Allen Versuchen zum Trotz.

Ein aktuelles Beispiel: ein Geburtstag. Ein Runder. Eine Mutter wird vom Sohn beschenkt. Schwer war es eh schon, für diese Frau höheren Alters, mit gutbürgerlichem Background etwas Passendes zu finden. Bzw. – ich korrigiere – etwas zu Verschenken, mit dem Gefühl, es müsste passend sein. Denn genau das war es nicht. Es war alles andere als das. Die Beschenkte vielmehr, fühlte sich als Mutter nicht geliebt und ob des Präsents beleidigt und enttäuscht.

Nun frage ich mich: sollten wir die Liebe eines Menschen von Größe, Farbe, Wert eines Geschenks abhängig machen? Werden wir automatisch mehr geliebt, bekommen wir teure Geschenke? Sind wir nix wert, wenn uns ein lieber Mensch „nur“ etwas kocht oder bastelt? Und haben die meisten von uns nicht eh schon mehr als genug in all den Kommoden, Regalen und Kleiderschränken?

Mir fällt es schwer, so etwas zu verstehen oder zu tolerieren. Ich frage mich in diesem Fall vielmehr, ob das Schenken nicht besser gegenseitig einzustellen ist. Ich habe daraus aber auch mal wieder gesehen, wie aus dummen Kleinigkeiten, große Dramen werden können – wenn man nicht offen und umgehend miteinander spricht, um sie aus der Welt zu schaffen.

In diesem Sinne, eine schöne vorweihnachtliche Zeit und sorgt dafür, dass ihr eure Lieben mit Liebe beschenkt und ihnen viel Aufmerksamkeit zu Teil werden lasst. Seid aber auch hin und wieder dankbar und euch bewusst, wie gut es euch geht!

[Sonja]