Der Sommer ist zurück, Zeit am See zu liegen und in Frauenmagazinen zu schmökern. Da liest man ja so allerhand.
Ein Artikel, der es mir angetan hat, berichtete von der Not eines LAT-Paares, sich ständig rechtfertigen zu müssen. Vom LAP, dem Lebensabschnittspartner habe ich schon gehört. Stellt sich mir hier aber zu allererst die Frage: „Was zum Teufel ist ein LAT“?
LAT steht für „living apart together“ – also ein Pärchen in einer festen Beziehung, mit zwei Wohnsitzen. Egal ob in einer Stadt, in einem Haus oder ganz woanders. Eben nicht in einer Wohnung. Die Zahl derer, die so leben, steigt. Allerdings müssen sich LATs – so der Artikel – nach wie vor erklären, warum sie so leben.
Ich lebe ebenfalls als LAT. Habe eine eigene Wohnung, wie mein Freund in München. Etwa 15 Minuten mit dem Auto von Haus zu Haus. Wir sehen uns häufig, machen ganz viel miteinander, genießen aber ebenso die Zeit, in der jeder in seiner Bude haust. Das kommt pro Woche 2-3mal vor und wir müssen hier nie rumdrucksen, wenn einer sich mal wieder daheim zurück zieht.
Denn ist man nicht mehr ganz jung, hat man seine Gewohnheiten, seine Rituale, Hobbies, die der andere nicht teilt sowie diverse Ecken und Kanten. All das können wir mit unserem System richtig gut pflegen.
Auch persönlicher Freiraum und Entfaltung sind so ein Thema. Ich bin in seiner Wohnung nicht zu Hause, auch wenn ich mich wohl fühle. Ich habe in seiner Wohnung nicht annähernd die Auswahl an den mir wichtigen schönen und dekorativen Dingen. Würde er auch ohnmächtig zusammen brechen, stünde ich mit meinen Unmengen von Schuhen, Taschen, Kosmetik und Klamotten vor seiner Tür.
Wir kennen das auch, immer wieder gefragt zu werden, wann wir denn zusammen zögen. Sind wir doch seit bald anderthalb Jahren zusammen. Dieser Frage folgt gleich die, nach der – vom Umfeld erwarteten – Hochzeit.
Warum ist das so? Wieso muss man sich irgendwie doch immer rechtfertigen, wird kritisch beäugt, wenn man es anders macht als „normal“?
Sollte nicht jeder Mensch die Lebensform für sich wählen, die ihm (und dem Partner) am besten zusagt? Sind die Personen im klassischen Beziehungsmodell neidisch auf die Freigeister? Braucht es gelebte Konventionen, um glücklich zu sein? Oder halten nicht vielleicht LAT-Beziehungen länger?
Ich für meinen Teil, finde es toll, wie es ist. Natürlich kann ich mir grundsätzlich Schritte Richtung klassischem Beziehungsmodell vorstellen. Wir beide können uns aber auch vorstellen, dass ich meine Wohnung einmal Richtung Chiemgau oder Salzburger Land verlege und wir diesen Wohnsitz dann nutzen, um Wasser-, Wander- und Wintersport zu frönen.
Wer weiß schon, was die Zukunft bringt. Zumindest denke ich, mit Freiraum, Respekt und eigenen vier Wänden, sehr viel länger eine glückliche Freundin in meiner aktuellen Partnerschaft sein zu können. Meine Möbel, all meine schönen Sachen, meine Eigenheiten – all das kann ich weiter pflegen und mich gut dabei fühlen. Es leben die LATs.
[SONJA]


